Tuesday 25 november 2 25 /11 /Nov. 14:34

Tagesspiegel-Leserkommentare

von Friedrich Lautemann

 

von   friedrich.lautemann | 20.11.2008 15:32:11 Uhr

 

Weltverderber Zinseszins

 

Die Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien CDU und SPD - Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel - scheinen hilflos gegenüber den finanz- und wirtschaftspolitischen Problemen. Wieso "scheinen"? Niemand dem dies so erscheint braucht nach Wundern zu suchen, denn es gibt eine einfache Erklärung: sie sind es. Es hat nicht nur den Anschein. So ist es. Sie sind "hilflos". Sie scheinen die eigentliche Ursache der "finanz- und wirtschaftspolitischen Problemen" nicht zur Kenntnis zu nehmen: die Logik des Geldes.

Wir erleben eine, vielleicht die schwerste, vielleicht auch die letzte,  Krise des Kapitalismus, welche die schönfärberisch so genannte soziale Marktwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Möglicherweise wird sie ihr den Todesstoß versetzen; nicht überall, aber an vielen Orten der "freien" Welt.

 

Das Betrugssystem des Kapitalismus

 

Die Ursache der Entwicklung, dass die Reichen immer reicher und immer mehr Menschen  verarmen, die Armen immer ärmer und zahlreicher werden, liegt  darin, dass sich gebunkertes Geld über den teuflischen Mechanismus des Zinseszins-Ertrages vermehrt - ohne Leistung und volkswirtschaftlichen Nutzen.  Gier, Dummheit und politische Gleichgültigkeit  lassen seit Nixon das simple Wissen außer Betracht, dass Geld als Dauerwert für sich für den Tausch von Waren und Dienstleistungen entstanden ist. Heute drucken die Notenbanken Noten ohne Deckung an bleibende Werte wie Gold und anderes Metall, aus dem früher die Geldmünzen hergestellt wurden. Ein Beispiel, um die die Welt verderbende Sprengkraft dieses Sachverhalts zu veranschaulichen, das des berühmten Josephs-Pfennigs. Ein Pfennig vor 2000 Jahren mit 5% Zinsen angelegt, hätte heute zu einem Endkapital von nicht einmal einem Euro geführt, wenn die Zinsen selbst nicht weiter verzinst worden wären. Werden die Zinsen jedoch dem Kapital stets zugeschlagen und  mitverzinst, dann ergibt sich nach 2.000 Jahren ein Vermögen, das dem Wert von  268 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold entspricht.

 

Weder die Kanzlerin noch ihr Herausforderer Frank-Walter Steinmeier sind auf "diese Zeiten kompliziertester wirtschaftspolitischer Fragen im Inland wirklich vorbereitet" - das ist wohl wahr. Fast alle Missstände der Welt beruhen auf der  Logik des Geldes: Zins und Zinseszins machen ohne Arbeit reich. Billionenvermögen sind sozialen Notwendigkeiten durch Blockierung entzogen - weltweit. Das System hat den Endpunkt erreicht, wenn die Schulden, die stets den Guthaben entsprechen, nicht mehr erwirtschaftet werden, was die den arbeitenden Menschen von der Politik zugeteilte Aufgabe ist.

 

Das Betrugsystem des Kapitalismus funktioniert stichwortartig nach folgenden Regeln:

 

1. Aus Kapital noch mehr Kapital machen.

2. Die Arbeitenden zahlen grundsätzlich die Zeche; sie haben zu erwirtschaften, was andere ab- und verzocken.

3. Fremde Arbeit macht reich.

4. Irgendwann ist Schluss mit Geldvermehrung und "alle" beginnen wieder bei null. Bester Zeitpunkt: nach großen Kriegen. Die Pleiten und unvorstellbaren Verluste können wunderbar ideologisch begründet werden (z. B. sie sagen Freiheit und meinen Erdöl).

 

Der Wachstumswahn - eine weltweite  Geisteskrankheit - beruht auf anderen Mechanismen: dem des modernen Sklaventums (Leiharbeitsverhältnisse, Kinderarbeit, Ein-Euro-Jobs) nach dem Motto Geld regiert die Welt; dem eines verlogenen Arbeitsideals, das unterscheidet zwischen 

 

1. notwendiger Arbeit

2. bereichernder Arbeit und

3. überflüssiger Arbeit (die ohne Bezahlung und gesellschaftliche Anerkennung, also die Arbeit der Arbeitslosen in der "Randgesellschaft" wie SPD-Sarrazin das nennt)

 

Zeit ist Geld haben wir oft gehört; wie wahr, wie wahr, denkt man an das enorme unvorstellbare  Wachstum unseres Joseph-Pfennigs.

 

Die Geldgesellschaft braucht Effizienz. Die durch Millionengehälter und Milliarden-Gewinne Demotivierten sollen bis zu ihrem Rauswurf arbeiten wie Maschinen, mobil sein wie die Vögel und ja nicht glauben, dass die Rente später reicht oder nur sicher ist - im Gegensatz zur Riesterente, der zynischsten Agenda seit Schröder zu Lasten der Arbeitenden und zu Gunsten der Versicherungswirtschaft.

 

 

Wichtigtuerische Jongleure

 

An das Jonglieren mit hohen Zahlen haben wir uns fast schon gewöhnt - lesen wir. Wirklich? Otto Normalverbraucher, zu denen heute ja Leute mit 1 Euro Jobs und Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen gehören, abgespeist mit Dumpinglöhnen und der Willkür von Cleverles, die  aus ihrer Arbeit schamlos Honig saugen, kann sich unter einer Milliarde oder gar 1000 Milliarden (eine Billion) nichts vorstellen. Er sieht aber, wie die Wichtigtuer in der Politik sie hin und herschieben wie saures Bier und wendet sich ab.  Der Bund wird sich im kommenden Jahr voraussichtlich mit bis zu 20 Milliarden Euro neu verschulden - das sind doch Peanuts. Die kann man durch Einsparungen an Sozialleistungen locker "gegen finanzieren".  Eigentlich sollten es gerade mal 10,5 Milliarden sein, weshalb die Regierung ihr historisches Ziel, mit dem sie einmal angetreten sei, verfehlt habe. Was ist nun "historisch" daran? Übersetzte man historisch mit "geschichtlich", dann hat Fabian Leber sicher Recht, ohne etwas  gesagt zu haben. Die menschliche Dummheit ist historisch, beispielsweise. Von Sir Karl Popper (Die Feinde der offenen Gesellschaft)stammt der Satz, die Weltgeschichte sei die Geschichte eines jeden einzelnen Menschen. Aber das hat er vor langer Zeit geschrieben, das gilt nicht mehr. Schuld daran ist, glaubt man den Erklärungen der politischen "Eliten" oder fällt man auf ihr Augurenlächeln herein (das ist das Lächeln von Amtsgenossen in Erkenntnis unverdienten Ansehens) die "Globalisierung" - so, als ob der ungehemmte oder hemmungslose  Profitwahn eine große Erfindung derjenigen sei, die öffentliche Meinung machen, ohne genau zu wissen, worum es sich handelt.   Den Wahnsinn der Verschwendung von Ressourcen an den Bedürfnissen  von Abermillionen bedürftiger Menschen stramm und fröhlich vorbei lernte er anders als wir heutigen "Zwangsglobalisierten" zum Glück nicht kennen. Die von ihrer Arbeit leben kennen anders als die Oben keine Krisen, an die sie sich "gewöhnen" müssten. Sie sind ihr täglich Kreuz.

 

 

Verraten und verkauft

 

Die Zeche begleichen wir – die Zwangsglobalisierten -  allerdings in einem anderen Sinn. Armut ist die Zeche, die uns die Gesellschaft präsentiert. Nicht nur materielle Armut; sie ist oft die einzige Form von Armut, die noch wahrgenommen wird. Ein bettelndes Kind kann man schwerlich übersehen, und ein betrunkenes Kind gehört zu dieser verzweifelten Spezies hoffnungsloser Mitglieder unserer Gesellschaft. Bildungsarmut und fehlende Herzensbildung  werden seltener beklagt. Aus dem Urteil "Die Zeche zahlen wir" - also die anderen, unschuldig Unbeteiligten, wird ein Schuh, wenn wir uns darauf verständigen könnten, dass "wir" nur die Zeche bezahlen, die wir selber gemacht haben. "Wüssten wir aber, dass wir alle schuldig sind, dann hätten wir gleich das Paradies auf Erden", sagte Fjodor Dostojewski einmal.  

 

Kinder, die sich betrinken, betrinken sich wie "Erwachsene" um zu vergessen. Vom Erleichterungstrinken zum  Komatrinken führt die verratenen und verkauften Kinder oft nur ein einziger Schluck. Sie - die jungen Opfer und jungen Schuldigwerdenden an sich selbst und der Gesellschaft - wissen nichts mit sich und der Welt anzufangen. Die einzige Unterhaltung, die sich ihnen bietet, sind schlechte Gewohnheiten, die ihre Handikaps vergrößern. Der Sinn des Lebens  besteht darin, sich möglichst gut, also seinen Begabungen und Fähigkeiten gemäß sozialverträglich zu unterhalten. Dabei spielt eine große Rolle, wem wir gefallen wollen. Ich höre den Aufschrei derjenigen, denen trotz (oder wegen) eines "normalen" (auch normal begüterten) Lebens nichts anderes einfällt als: denen geht es viel zu gut, man müsste sie ins Gefängnis stecken. Aber auch diese Zeche müssten wir wiederum alle begleichen. Die Sache ist also hoffnungslos?  Ein theoretisch nicht ganz. Würden wir uns täglich mit der Beseitigung himmelschreienden Unrechts befassen und ihre letzten Ursachen - die Lieblosigkeit und die Logik des Geldes - sehen und mehr Mitmenschlichkeit einfordern und ermöglichen, ließe sich manches ändern.  

 

Der Wahnsinn geht weiter

 

Rund 50.000 Mitarbeiter müssen bei der US-Bank Citigroup gehen - das heißt, sie werden von heute auf morgen rausgeschmissen. Der neoliberale Wahn hat sie wie Abermillionen andere auch zu Opfern gemacht. Nicht ihnen, den Opfern elitären und kriminellen Versagens, wird geholfen, sondern den Tätern.  Es verschlägt einem den Atem wenn man liest: -  auch das genüge nicht, um die Bank zu retten. Innerhalb kurzer Zeit müsse der Staat der "taumelnden Großbank" zum zweiten Mal mit 300 Milliarden Dollar "beispringen".

Niemand stellt die Frage, wer sich diese 600 Milliarden Dollar  in seine Taschen oder auf schottendichte geheime Konten  eingezahlt hat. Schulden entsprechen stets Guthaben. Diese simple Wahrheit bleibt bei der öffentlichen Debatte außen vor. Die Mächtigen machen den Schulterschluss. Die "Politik" springt den Banken willig bei, ohne diese Frage zu stellen: wer hat die Kokosnuss geklaut?

 

Die Eliten haben kein Interesse, die Menschen über die wahren Ursachen ihrer Lage wahrheitsgemäß  zu informieren.  Man muss es für möglich halten, dass die Politiker sich nicht dafür  interessieren, ihre Wählerklientel.   Sie interessieren sich für die Sicherheit ihrer eigenen reichlich bemessenen Renten und für die ihrer Sparkonten - und  für ihre Wiederwahl. Einem Publikum, das verstehen oder nur zur Kenntnis nehmen könnte, dass Banker Billionen von Dollars und Euros und Yens locker vom Hocker verbunkert haben, würde aufschreien, dass diese Eliten weiter machen dürfen wie bisher. Niemand lasse sich täuschen: Der "Mindestlohn" der Banker in den Chefetagen von lumpigen 500.000 Euro in Deutschland wird ihre Gier auf Abwege drängen wie Schwarzarbeiter in die Schattenwirtschaft. Denn, wie Einstein sagte: "Die menschliche Dummheit und das Universum sind unendlich. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher".

 

Der  Citigroup-Chef darf dagegen im Amt bleiben. Wie schön für ihn. Es genügt, dass zigtausende ihren Job verlieren. Schuld an dem Zusammenbruch der Banken ist – man lese und staune – die Finanzkrise.  Er hat das Schlamassel erst ein Jahr zu verantworten. Was ist schon ein Jahr für jemanden, der mit Milliarden jongliert. Jegliche Bonuszahlungen für das Management müssen in Zukunft der Regierung vorgelegt und von ihr genehmigt werden: Bonuszahlungen für Milliarden schweres Missmanagement.  Der Wahnsinn geht weiter.

 

 

von   friedrich.lautemann | 24.11.2008 14:35:46 Uhr

 

Der Realo

 

Sozialdemokrat sei Wolfgang Clement, Schröders Superminister (der die Leiharbeit, diese neoliberale Abart modernen Sklaventums und Lohndumpings von allen Einengungen befreite) immer gewesen, aber auch immer einer dieser "Ruhrgebiets-Realos", die Nordrhein-Westfalen jahrzehntelang nach dem Motto regiert hätten, dass man sich für Ideologie nichts kaufen könne.

Clement hat sich wie sein früherer Chef im Bundeskanzleramt für seine Ideologie doch einiges gekauft; jedenfalls mangelt es ihm nicht an Kohle, dem "Ruhrgebiets-Realo" und willfährigem Vollstrecker von Schröders unsozialer "Agenda-Politik", die die Interessen der arbeitenden und arbeiten wollenden Menschen skrupellos verraten hat. Jeden Tag lesen und hören wir in den Nachrichten, dass hier 50.000 Leiharbeiter und dort 5000 entlassen werden, das heißt, sie werden rausgeschmissen und der sozialdemokratischen Errungenschaft von HARTZ IV überantwortet.

HARTZ IV ist kein Werk des Saarländers Peter Hartz; der hatte gerade Zeit, zwischen seinen Vergnügungen mit gekauften schönen jungen Frauen Wahlkampfpropaganda für seinen Duzfreund Schröder zu machen. Das nötige Kleingeld holte er sich von seinem Arbeitgeber  VW.  Das Fördern und Fordern war eine Idee des Unternehmerberaters McKinsey; sein Stab machte für viel Geld die Arbeit, mit der die Sozialdemokraten ihre Herrschaft mit den Grünen zusammen um drei Jahre verlängerten. Was den Menschen verheimlicht wird, ist, dass von diesem Erzfreund des Kapitalismus seine sozialdemokratischen Auftraggeber darauf eingestimmt wurden: ihr müsst sie jagen, die arbeitslosen Faulenzer, und so werden seither die HARTZ IV-Empfänger behandelt.

Clement wird aus der Partei der Schröder-SPD, die sie geblieben ist, nicht ausgeschlossen werden. Die Wette gilt. Die Schröderianer werden das verhindern, wie viele  weitere Mitglieder und Wähler sich von der SPD auch abwenden werden.

Robert Birnbaum kann sich die Hände reiben. "Ob diese Jahrzehnte (seiner SPD-Mitgliedschaft) mehr zählen als zwei provokante Absätze in einem Aufsatz", müsse das Schiedsgericht entscheiden.
Natürlich kommt es auf Clements Gesinnung nicht an. Er hat keine.  Der Mann ist Realist. Wes Brot ich ess’, des Lied  ich sing. Solche Leute  reden heute so und morgen so, die Fahne stets im Wind.

 

 

von lauti
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Monday 1 september 1 01 /09 /Sept. 16:13

Der verlorene Sohn der SPD

Oskar Lafontaine, der ewige Rebell

Eine Betrachtung des Abtrünnigen durch einen langjährigen Zeitzeugen

 

„Koch muss weg!“ – niemand in der SPD hat etwas gegen das hessische Projekt des jetzigen Parteivorsitzenden der Linkspartei, des früheren SPD-Oberbürgermeisters von Saarbrücken, des früheren SPD-Bundesparteivorsitzenden und SPD-Kurzzeitfinanzministers. Wer ihn wie ich vom Anbeginn seiner politischen Karriere an, davon in den ersten Jahren  auch aus persönlicher Nähe erlebt und später mit bestimmten Fragestellungen beobachtet hat, wird sagen: er ist sich in all diesen Jahrzehnten treu geblieben oder: er hat sich nicht sehr verändert.

 

Den ersten Wahlkampf in Saarbrücken führte er mit dem Motto: „Mir nusse se*!“ Durch seine Politikerlaufbahn zieht sich der rote Faden, Politik nur für jene zu machen, von denen er bei realistischer Einschätzung mit guten Chancen hoffen konnte, gewählt zu werden. Damit war er sehr erfolgreich. Natürlich kann man als SPD-Minister oder gar SPD-Kanzler auch Politik für jene Gruppen machen, von denen man sicher annehmen kann, dass sie alles lieber tun werden als SPD oder links zu wählen: lieber tot als rot. 

 

Oskar Lafontaine, in diesem Sinn ein „Populist“,  hat nie jemanden über sich geduldet. Dies ist eine der Ursachen für das vorhersehbare Zerwürfnis der beiden „Männerfreunde“ Schröder und Lafontaine. Damals musste Kohl weg; dieses Projekt – die Machtübernahme im Bund durch SPD und Grüne -erwies sich wie so vieles andere aus der Retroperspektive als ambivalent. Beide Enkel von Willi Brandt wurden ihrer Verantwortung für ihre Partei nicht gerecht. Die heutige Lage der SPD ist die Folge ihres persönlichen Machtkampfes. Beide haben sich damit nicht mit Ruhm bekleckert. 

 

Lafontaine ist nicht nur ein „Populist“, er ist auch ein ichbezogener Karrierist,  zorniger Rebell, ewig Suchender,  ein scharfzüngiger Debatter und Redner ---und immer für sich selbst die größte Chance gewesen. Damit bringt er von seinem Grundcharakter alles mit, politisch erfolgreich zu sein. 

 

Lafontaine hat seinen Vater im Krieg verloren. Vaterlos groß gewordene Männer sind, meist ohne sich dessen bewusst zu werden, zeitlebens auf der Suche nach dem nicht gekannten Vater. Dieser Hintergrund disponiert zu überdurchschnittlicher Treulosigkeit – übrigens auch in der Form von Frauengeschichten inclusive (Rotlicht-)Affären.  Sie verwechseln ihre Sehnsucht nach dem toten Vater mit der nach einer Frau, die sie lieben können.

 

Lafontaine ist im Saarland im Gegensatz zum Bund überaus populär. Für die Saarländer ist er „de Oskar“. Er ist so populär, dass ein schöner Witz seine ihm eigene Humorlosigkeit – die des „Wadenbeißers“ (ähnlich wie der blendende Debatter Westerwelle) – und den „typischen“ Saarländer aufs Korn nimmt: Er hat ein gutes Herz und ist fürs Kleine und Bescheidene.

 

Dieser Witz geht so:

 

In den achtziger Jahren – Oskar war Oberbürgermeister in Saarbrücken mit Sitz im Bundesvorstand der SPD – griff er, um von sich reden zu machen im stil von Franz-Josef Strauß seinen Männerfreund Kohl -  öffentlich Helmut Schmidt wegen dessen Haltung zum NATO-Doppelbeschluss an. Er kritisierte Schmidts „Sekundärtugenden“; dazu gehören bekanntlich Charaktereigenschaften wie Prinzipientreue, Ausdauer und Fleiß, die ihn – Oskar - selber nicht unbedingt auszeichnen. Auf dem Weg nach Bonn in die SPD-Baracke zu einer Vorstandssitzung der Bundespartei packte ihn das schlechte Gewissen wegen dieser unsachlichen Kritik; er würde Helmut Schmidt in die Augen sehen müssen, der damals stellvertretender Bundesvorsitzender und Kanzler war. Oskar ließ seinen Fahrer auf der Suche nach Argumenten gegen den NATO-Doppelbeschluss* vor einem saarländischen Bergmannshäuschen anhalten. Er wollte einmal hören, was die Saarländer zu dieser Frage meinten. Er klingelte und es öffnete ihm eine  saarländische Hausfrau mit Kochschürze, die gerade Grumbierkischelscher** machte.

Oskar stellte sich vor: „Ich bin Oskar Lafontaine, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Saarbrücken und auf dem Weg nach Bonn. Dort treffe ich den Bundeskanzler. Ich habe nur eine einzige Frage an Sie: „Was halten Sie von Atombomben?“

Die Bergmannsfrau musterte ihn scharf und sagte: „Moment, da muss ich meinen Mann fragen“. Oskar wartet, die Frau kommt zurück, mustert ihn von unten nach oben, schaut  ihm streng in die Augen und sagt: „Ei jo, mir kaafe äni, awwer nur e kläni.“ ***

 

Oskar hat eine große Überzeugungskraft, den Menschen alles zu verkaufen, wenn es ein muss, Atombomben,  was er für richtig hält. Für die nächste Zukunft unserer Partei dürfte es wichtig sein, Oskar so zu sehen, wie er ist – und sich seine Talente nutzbar zu machen und mal über ihn zu lachen,  anstatt ihn zu verteufeln. Er kann ja nicht anders sein als Oskar Lafontaine geworden ist. Und, niemals vergessen: er will, wie alle verlorenen Söhne, wieder heim – wenn auch über den Umweg eines rot-roten Bündnisses.

 

Friedrich Lautemann

 

Der Verfasser, mit Unterbrechung SPD-Mitglied seit 1966, ist ein gelernter Rechtsanwalt und Schriftsteller. Er ist u. a. der Autor von Spielkasino Liebe (ein Roman über das Abenteuer Partnersuche), mehrerer Essays und Denkschriften für die Politik und zahlreicher Limericks.

 

*       Wir nussen sie: geben dem politischen Gegner Kopfnüsse

**    die Entscheidung, cruises missiles aufzustellen, wenn die Russen         ihre auf Westeuropa gerichteten Atomraketen nicht abziehen

***    Kartoffelpfannkuchen

****  “Ja, ja, wir kaufen eine, aber nur eine kleine“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von lauti
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Saturday 19 july 6 19 /07 /Juli 09:03

Die bösesten Limericks

Von Friedrich Lauti Lautemann

 

 

 

Der Professor aus Peine

Ein Limerick von Frederik

 

Professor Steine aus Peine

Lehrte den Ödipuskomplex 

In und außerhalb seiner Familie.

Er nahm sich eine 

Noch dazu

Sie erschien ihm schön wie eine Lilie

 

Doch störte sie die Familienruh.

Der Professor aus Peine

brauchte - neben seiner Intelligenz

Sehr viel Nerven und Mut.

Er lebte an einer doppelten Leine

Schämte sich und versteckte sich unter seinem Hut.

 

In seinem Cowboyhut sah er aus wie ein Stenz

Der gern rebellierte

Und heimlich masturbierte.

Später sah man ihn auf dem Campus

Immer öfter mit einer Flasche Schampus.

Es war seine nachgeholte orale Phase.

 

Man sah die ganze Psychologie

Gerötet wie seine Nase:

Katholisch und psychedelisch

Wie aus dem Kartoffelsack

Im Doppelpack:

Für immer und ewig.

 

 

 

 

 

 

 

Die Süße der Apfelsinen

Ein Limerick von Frederik

 

Neulich war er auf Rügen

Dort, wo die Männer ihre Frauen

Mit Männern betrügen.

Bibi tanzte mit einer von ihnen.

Dann biss er in die Süße

Sie schmeckte nach vielen Apfelsinen.

 

So kann man sich hier und dort erbauen

Im Club der Schlauen.

Vorne und hinten

Ganz ohne Finten.

Denn das ist die Moderne.

 

Nicht mehr romantische Sterne.

 

 

Tragödie in der Charité

Ein Limerick von Frederik

 

 

Dr. Kuhl war ein Schmächtiger

Sein Freund war mächtiger.

Sie wohnten zusammen nahe Berliner Dom

Berlins Heiliger Stuhl.

 

Die beiden Herren waren schwul

Berlin war die Weltmetropole.

Von ihrer Liebe hatten sie ein Afterkarzinom

Doch hatten sie beide viel Kohle.

 

Sie gingen zusammen in die Charité

Sie konnten nicht mehr verdauen

Der Hintern tat ihnen weh.

So kann einem die Liebe das ganze Leben versauen.

 

 

 

 

 

 

 

Richter Tobe

Ein Limerick von Frederik

 

Richter  Tobe von der elften Kammer

Führte dort den Vorsitz

Wie ein Hammer

Und sehr spitz.

 

Unter seiner schwarzen Robe

Schlug kein Herz aus Fleisch und Blut

Sondern nur noch Zorngetobe

Von der Art nach Übermut.

 

Doch dann traf den Richter Tobe

An einem Sitzungstag

Plötzlich unerwartet ein Keulenschlag –

Richter Gnadenlos lag in seiner schwarzen Robe

 

Stumm  im Sitzungssaal

Wie ein eben von der Gerechtigkeit Hingestreckter.

Seine Augen waren ganz schmal.

Wer ihn sah, der dachte:

 

Jetzt verreckt er.

 

Aber keiner lachte.

 

 

Tutti hahna tutti tutti he

Ein Limerick von Frederik

 

Tutti hahna tutti tutti he

Unser Bier ist genau so gut wie wir

Morgens, abends und beim Überwintern

Nichts tut jetzt noch  weh

Weder vorne nach am Hintern

Mit und ohne Schnee.

 

 

 

 

 

 

Schöne Torheit

Ein Limerick von Frederik

 

Willi dachte nach: Was geschah?

 

Aus dem Zwerchfell

Hörte er es tönen:

Lasst uns, Kinder,

Im Sommer und im Winter

Doch dem Unsinn frönen

Wie einst der Wilhelm Tell.

 

Wo die Sache fehlt

Ist Vorspiegelung das Beste.

Wo die Freude laut krakehlt

Feiern sich die feuchten Feste.

Solchen Unsinn dachte Wilhelm

Schon beim dritten Glase Wein.

 

Spitzig wie ein Stachelschwein

Brachte er die Wahrheit vor -

Willi war ein weiser Tor.

Wo Verstand ist, ist Empörung

War sein Evangelium

Und er trank auf die Betörung -

 

Als er einen Busen sah.

 

 

Neulich im Tanzpalast

Ein Limerick von Frederik

 

Sein Genie

Lag im linken Knie:

Es knackte und krachte

Ohne dass er was machte.

 

Im rechten Knie

Hatte er eine Gartenzwergphobie.

Es ruckte und zuckte

Wenn er sich nach den Zwergen buckte.

 

Sogar beim Dichten

Richten und Blumenzüchten

Konnte man sie hören -

Viele Damen konnte er nicht damit betören.

 

Nur neulich im Tanzpalast von Klärchen

Hatte er zu viel Jährchen.

Seine Knie hielten zwar auf dem Parkett

Nur leider später nicht mehr im Bett.

 

 

Deutsch-russische Freundschaft

Ein Limerick von Frederik

 

Das demokratisch Lupenreine

War das Agenda-Filetstück -

Das vom Schweine.

Es brachte großes Glück.

 

Zuerst beim Gin Gin

In Berlin

Und dann beim Rückbesuch

Die Freundschaft an der Moskwa.

 

Der Präsident trank auf das Wohl

Des Kanzlers und das seiner neuen Fra.

Für sie gab es im Kreml neues Tuch

Und roten Samt -

 

Für ihn ein Ehrenamt.

So war man sehr vertraut zu viert

Man ließ sich gar nicht lumpen

Das Geld kam von den Pumpen -

 

Sie liefen wie geschmiert.

 

von lauti
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Saturday 5 july 6 05 /07 /Juli 14:58

 

von friedrich.lautemann | 04.07.2008 13:52:57 Uhr

 

Betr.: Nonne, Mutter, Hure

 

Feuchtes Geschlecht

 

Was lassen sich für Unterhaltungsgeschäfte mit diesen drei Frauen in einer machen: Nonne, Mutter, Hure. Die Mutti eingerahmt von der Nonne und der Hure, und alle haben sie seit Menschengedenken Feuchtgebiete, sie ahnen es. Nun gibt es plötzlich  "Vorbotinnen eines neuen Feminismus. Dieser Feminismus ist nicht vordergründig. Und ihm fehlt eine programmatische Untersetzung. Er ist auch nicht leicht zu fassen." Nein, dreimal nein, Frau Bundestagsabgeordnete. Es sind alte Geschichten, weil die meisten Männer und Frauen das weibliche Geschlecht nicht kennen. Die Amerikanerin Eve Enssler ist mit ihrem Büchlein "Vagina-Monologe" zur Millionärin geworden. Ihre Aufgabe sah  sie darin, den Frauen ihr eigenes Geschlecht zu erklären. Bis zum Innern des weiblichen Geschlechts fand sie nicht; dort liegt der geheimnisvolle G-Punkt, von dem die meisten Frauen nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt. Die PorNo-Kampagne hat auch "geholfen haben, gegen eine Rolle zu rebellieren", liebe Katja Kipping. Nicht einmal gegen die der Mutter.

 

 

von friedrich.lautemann | 05.07.2008 14:48 Uhr

 

Betr.: Oswald Metzger

Stillgelegt

Von Friedrich Lautemann

In seiner Rede vor den Delegierten hatte der Parteiwechsler Metzger mit Plattitüden geworben. "Ich denke, man muss als Politiker sagen, was man denkt, und tun, was man sagt", gab er von sich. Es ist noch schlimmer, Herr Parteiwechsler. Man muss, um glaubwürdig zu sein, auch noch denken, was man sagt, bevor man tut, was man denkt. Das ist ihm, diesem furchtbaren Opportunisten, nicht gegeben. Dann blieb ihm noch die schäbige Tour, jene zu verunglimpfen, die mit ihren Handicaps an den Rand der Gesellschaft gedrückt worden sind. Zum Glück vergebens versuchte Metzger, seine neuen Parteigenossen mit erneuter Kritik an Hartz-IV-Empfängern für sich zu gewinnen. Manche Sozialleistungen wirkten wie "Stilllegungsprämien". Schön, dass er nun als Oberopportunist ebenfalls stillgelegt wurde. Eine Partei wechselt man nicht wie einen Gesangsverein. Jedenfalls nicht mit Erfolg, wenn man Oswald Metzger heißt. Er war schon als Grüner ein Verräter und nützlicher Idiot für alles Neoliberale und Unsoziale.

von lauti
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Saturday 5 july 6 05 /07 /Juli 14:03

 

 

 

 

 

Lieber Genosse Kurt Beck,

 

ich möchte dir auf deinen Rundbrief antworten – offen, kritisch und wohlwollend, wie du es von einem Parteifreund erwarten kannst, der das politische Geschehen aus der Frosch- Perspektive eines einfachen Parteimitglieds erlebt. 

 

Unsere Gegner hätten gern, schreibst du in deinem Rundbrief, dass die SPD dadurch eingemauert wird, um jede Perspektive für eine Politik der linken Mitte, „der solidarischen Mehrheit“ zu verhindern. Man will erreichen, dass wir nur die Wahl zwischen großen Koalitionen und der Oppositionsrolle haben.

 

Zweifellos haben CDU/CSU  dieses Ziel, und zweifellos haben sie es zunächst einmal  erreicht. Die SPD kann nicht mehr vor und nicht mehr zurück: Schachmatt!  Ich will noch einmal, wie bereits zu Münteferings Zeiten  in einem Brief an den Parteivorstand unternommen,  verdeutlichen, wie der Koalitionspartner das macht. Offensichtlich trübt das Treibhausklima der Hauptstadt das kritische Wahrnehmungsvermögen; anders ist es nicht  erklärbar, dass es den meisten prominenten Genossen und Genossinnen verborgen bleibt, in welchem Maß der Entrüstung  viele Gesetze in der großen Schicht der Transferbezieher als zynisch und unsozial empfunden werden – und die von der CDU/CSU genüsslich verabschiedet werden. 

 

Wenn man sich die letzten Wahlergebnisse anschaut wird klar, dass die SPD ihre Wähler nicht mehr mobilisieren kann. Die „kleinen Leute“ fühlen sich von der SPD verraten. Was soll ein HARTZ IV-Empfänger über die „Anhebung“ des Regelsatzes von 347 auf 350 € denken und fühlen? Ich sage es dir ganz deutlich: sie sagen, wir werden von euch böse verarscht, und sie sagen noch einen Satz  dazu: die können uns… Der Zorn der kleinen Leute, die ja nicht dumm sind und – wie ihr Neid auf den Reichtum und die unverdienten Millionen der „Eliten“ beweist – ganz normal fühlen, richtet sich gegen unsere  Partei, nicht gegen die CDU/CSU und FDP; von diesen Parteien erwarten die „kleinen Leute“ so wie so nichts. Die jetzige Regierungsmehrheit wird mit Hilfe der SPD dazu instrumentalisiert, diese Wähler ganz bewusst zu verprellen. Wenn die schlaue Kanzlerin von den „Härten des Regierungshandelns“ spricht, wenden sich die Betroffenen sprach- und machtlos ab.  Sie sehen und erleben auf der Schattenseite des Lebens in Deutschland eine schamlose und dreiste Umverteilung von unten nach oben  - und ich hoffe, es bleibt  auch dir auf dem warmen Platz des rheinland-pfälzischen  Ministerpräsidenten nicht verborgen. Viele Menschen warten auf weitere Erklärungen zur Lage der Armen von dir;  es darf nicht unklar belieben,  dass sie dein Mitgefühl und deine Unterstützung zur Verbesserung ihrer Lage wirklich haben.

 

Die betroffenen Menschen  begreifen sehr wohl in ihrer Angst, dass nach ALG I ALG II kommt, und zwar grenz- und übergangslos.  Was das für die Betroffenen bedeutet, weiß die Führungsriege der SPD offensichtlich nicht. Ich befürchte, lieber Genosse Kurt Beck,  dass das bei dir nicht ganz anders ist. Anders jedenfalls können sich die betroffenen Menschen die unsozialen Gesetze, die den Namen eines Lebemannes und Betrügers tragen, nicht erklären. Diese Aussortierten, denen man mit einem Sklavenlohn von 1 Euro 50 für einen Job kommt, der den Kommunen und Unternehmern nützt aber eben den Arbeitslosen kaum,  bilden das  Lager der Nichtwähler. Es sind überwiegend Menschen, die früher der SPD Mehrheiten im Bund und in den Ländern bescherten – als Anerkennung einer unbestreitbaren sozialen Politik. Die Frage ist halt immer die, wem wollen wir gefallen,  den Heuschrecken oder den arbeitenden und arbeitslosen Menschen?  Den CDU/CSU- und FDP-Wählern oder den traditionellen Linkswählern?

 

Das wichtigste Wählerreservoir, das die  Zukunft der Machtverhältnisse in Deutschland bestimmen wird, bilden die jetzigen Nichtwähler, darunter viele

an den Rand der Gesellschaft Gedrängte. SPD-Politik darf nicht Schröder-Politik bleiben. Die „Neue Mitte“, von Schröder halluziniert, um sich den Eitlen und scheinbar Erfolgreichen interessant zu machen, besteht aus einem Heer von fünf Millionen Menschen des Mittelstandes, denen es heute unvergleichlich viel schlechter geht als es ihnen vor Rot-Grün ging. Für sie alle, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist der Name Schröder der Inbegriff des unmoralischen Politikers: Wasser predigen und selber Wein trinken. Almosen verteilen und sich die Taschen voll stopfen.  Die Neidgefühle, lieber Kurt Beck,  sind vernünftiger als die Instinkte der Geldgier.

Mit Gerhard Schröder Wahlkampf zu machen wäre eine unverzeihliche politische Torheit. Der politische Gegner wird ihm nicht wieder einen „Professor aus Heidelberg“ präsentieren, dem er ohne Respekt und Anstand

die Ehre abschneiden kann. Er wäre sicher als der Genosse Altbundeskanzler und Gasmillionär selber die Zielscheibe emotionalen Spotts.

 

Nehmen wir die unsoziale Radikalreform des Gesetzes zur Arbeitnehmerüberlassung, mit der die rot-grüne Bundesregierung unter Führung von „Superminister“ Clement  ab 2004  die bis dahin geltenden Beschränkungen weitgehend aufhob. Seither ist nicht nur das Vermieten von Arbeitnehmern (wie das Vermieten von Fahrrädern) ohne jede zeitliche Frist erlaubt. Zugleich wurde es den Verleihern freigestellt, Mitarbeiter auch nur für einen einzelnen Einsatz in einem Unternehmen anzuheuern und anschließend wieder zu entlassen. Vor allem diese Aufhebung des so genannten Synchronisationsverbots öffnete den Verleihern alle Schleusen. Sie können je nach Auftragslage einstellen und wieder entlassen – gewissermaßen nach Gutsherrenart. Vollkommen zu Recht klagt Horst Iwanowski, Experte für Leiharbeit bei der IG Metall in Nordrhein-Westfalen,  dass das unternehmerische Risiko immer mehr einfach auf den Leiharbeiter übertragen wird – im viel beschworenen „sozialen Deutschland“ unserer Partei. 

 

Die neu entstandene Fünf-Parteien-Landschaft oder gar die Globalisierung (wir hatten im freien Teil der Welt immer eine über die Landesgrenzen vernetzte Wirtschafts- und Finanzwelt) ist für die Menschen, um deren Gunst die SPD entschlossen, mutig und im Schulterschluss mit den Gewerkschaften kämpfen sollte, keine Rechtfertigung für die Fortsetzung der Umverteilung von unten nach oben. Es droht nicht die Spaltung der Gesellschaft; unsere Gesellschaft ist bereits gespalten.

 

Nicht „Aufschwung für alle“, Kurt Beck; bitte keine verlogenen Slogans (wie sie jetzt die Wowereit-SPD reichlich plakatiert).  Die Reichen und Privilegierten sind schon aufgeschwungen, ihre Flügel tragen sie überall hin, wo sie unter ihresgleichen in der Sonne sind.

 

Noch eine Bemerkung zu Oskar Lafontaine. Ihn zu verteufeln ist ein schwerer Fehler. Er war einer deiner Vorgänger im Amt des Parteivorsitzenden der SPD. Oskar Lafontaine ist kein anderer als er damals war. Oskar Lafontaine ist sich treu geblieben; er war immer zuerst eine Chance für Oskar Lafontaine. Die Menschen verstehen die persönliche Diskriminierung nicht, der Oskar Lafontaine heute als Parteivorsitzender der Linkspartei von manchen seiner früheren Parteifreunden aus der SPD ausgesetzt ist. Die heutigen politischen Verhältnisse der SPD erklären sich auch aus dem Machtkampf der beiden Brandt-Enkel Schröder und Lafontaine. Sie haben ihn beide verloren, auf dem Rücken der SPD.

 

Es ist genug für alle da sollte die Botschaft sein – wir Sozialdemokraten stehen dafür ein. Es wird euch kein Unglück geschehen. Wir haben verstanden.  Ihr könnt euch wieder auf uns verlassen.

 

In diesem Sinn, Genosse Parteivorsitzender Kurt  Beck, viel Erfolg!

 

Dein

 

Friedrich Lautemann

Rechtsanwalt a. D.

Roman- und Sachbuchautor

von lauti
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Tuesday 8 april 2 08 /04 /Apr. 07:33

 

 

Kommentar

 

von friedrich.lautemann | 01.04.2008 08:41:03 Uhr

 

Der Preis der Freizügigkeit ...

 

...sind die Kosten der Armut. Die organisierte Kriminalität zwecks Beschaffung von im Westen produzierten Gütern, vor allem leicht zu verwertende Personenkraftwagen, ist das Business jener, denen die früheren Verhältnisse zu Zeiten des Eisernen Vorhangs die Zukunft raubte. Wir zahlen für die Freizügigkeit an den Grenzen zum vormaligen kommunistisch unterdrückten "Osten" einen unvermeidbaren Preis, so ärgerlich er für alle ist, die unmittelbar davon betroffen sind. Wenn der Platz auf der Straße leer ist, auf dem der Besitzer seinen Wagen abgestellt hatte, stellen sich keine Gefühle der Verunsicherung ein; eher sind es Gefühle der Ohnmacht, der Resignation und des Zorns, wie sie bei erlittenen Verlusten auftreten. Der Bürger ist schutzlos. Die Methoden werden immer ausgeklügelter; die Profis lernen dazu. Die zunehmende Kriminalität findet nun grenzüberschreitend statt. Die Stehler haben es nicht schwerer als früher; für die Hehler aber sind goldene Zeiten angebrochen.

 

 

von friedrich.lautemann | 01.04.2008 12:57:28 Uhr

 

Die letzte Ursache...

 

...allen menschlichen Leides ist die Lieblosigkeit. Sie ist unbezwingbar; sogar das BVerfG hat sich diesem Sachverhalt gebeugt. Wer als Vater einen Sohn hat, den er liebt,
kann diesen Mann, der bis zum BVerfG gegangen ist, um seinen unehelich gezeugten Sohn zu verleugnen und ihn dadurch tief zu verletzen, nur verstehen, wenn er berücksichtigt, dass er von seiner Ehefrau unterdrückt wird. "Das Kind hat er aber noch nie gesehen, weil dies nach seiner Ansicht unweigerlich zum Zerbrechen seiner Ehe führen würde." Er wird es wissen. Was er nicht weiß, ist, dass Unterdrückung ohne Grenzen ist; sie hört in seiner Ehe nicht beim Umgang mit seinem Sohn auf. Dessen Leben wird durch die Lieblosigkeit seines Vaters und dessen Ehefrau stark beeinflusst. Er wird mit der Sehnsucht nach seinem Vater, der ihn verleugnet, weil er ein Schwächling ist, sein Leben lang konfrontiert sein. Er hat gute Chancen, ein Frauenheld zu werden - wie die meisten Männer, die ohne Vater groß geworden sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 02.04.2008 10:28:40 Uhr

 

Es gibt ein Naturrecht auf Liebe...

 

...wie es ein Naturrecht auf Leben, Gesundheit, Gerechtigkeit und
Wohlstand gibt - auf dem Papier demokratisch verfasster Gesellschaften. Nur sind alle diese schönen Rechte auch in unserer inhumanen Gesellschaft nicht so ganz ernst gemeint; die Schwachen, darunter die unschuldigen Kinder, müssen, so liest man erstaunt, lernen, dass es kein Recht gibt, von den Eltern geliebt zu werden. Von den Eltern nicht geliebt zu werden kommt in vielen Fällen einem Todesurteil gleich; das Kind tut alles, was in seiner Macht liegt, geliebt zu werden, bis hin zum Selbstverrat - zum aufgezwungenen Verzicht auf alle seine eigenen Bestrebungen. Jeder Elternteil ist zum Umgang mit seinem Kind berechtigt und verpflichtet - dafür gibt es starke Argumente. Wenn das BVerfG etwas anderes entschieden hat, verrät es diesen im TAGESSPIEGEL namenlos geblieben neunjährigen Jungen, wie es seine Eltern und seine Stiefmutter täglich tun. Er ist eines der vielen Schmerzens Kinder.www.friedrich.lautemann.over-blog.com

 

von friedrich.lautemann | 02.04.2008 10:57:57 Uhr

 

Ein alter Kämpfer ist kein Philosoph

 

Im Streit um die Vorbereitung eines neuen Verbotsantrags gegen die rechtsextreme NPD kritisiert Peter Struck die Haltung einiger Unions-Innenminister aufs Schärfste. Wäre er ein Philosoph, der Freude am Denken hat, weil er es kann, würde sich der alte Kämpfer Struck zum Beispiel fragen: was müssen wir tun, um den Zulauf junger Menschen zu den Neonazis zu stoppen? Nicht nur Peter Struck fällt das Denken schwer; sonst würde, was die NPD angeht, unseren politischen Eliten ein Licht aufgehen. Für chancenlose junge Menschen in unserer Gesellschaft ist es eine ganz natürliche Sache, sich von denen abzuwenden, die sich um alle anderen und sich selbst mehr kümmern als um sie. Es ist sträfliche Politik, darauf zu verzichten zu sagen: zuerst - Multi-Kulti hin, Multi-Kulti her - kommen unsere Kinder, deren Familien ohne Ausnahme für Deutschland Blutzoll entrichten mussten. Das ist es, worauf sie warten, die jungen "Nazis", von uns selbst gedanken- und mitgefühllos zu Außenseitern gemacht.

 

 

Henker und Richter

 

Nur der Henker hat mehr  Macht über einen Menschen als der Richter im Strafprozess. Er ist Herr über Ehre oder Schande, Leben in Freiheit oder Leben hinter Gittern. Weil das so ist gilt in freiheitlich verfassten  Gesellschaften wie der unseren die Unschuldsvermutung; "in dubio pro reo" - im Zweifel für den Angeklagten. Dieser Grundsatz soll die in die Fänge der Strafjustiz geratenen Bürger vor dem Justizirrtum mit allen seinen schrecklichen Folgen für den zu Unrecht Verurteilten bewahren. Wie gesagt: soll. Strafrichter entwickeln im Verlauf ihres Berufslebens den verhängnisvollen Drang, zu verurteilen, wer angeklagt ist. Nur 4 von 100 Angeklagten werden frei gesprochen; würde man sich die Mühe machen, die Freigesprochenen nach Rangordnungsverhältnissen zu betrachten, käme man womöglich zu dem Urteil, dass die sozial Schwachen auch im Strafverfahren schlechte Karten haben.  Monika de M. wurde das Opfer routinierten Verurteilens. Sie hatte Glück; sie hatte Verbündete, darunter den BGH.

 

von friedrich.lautemann | 03.04.2008 10:53:13 Uhr

 

Mit einem entmachteten Mörder ...

 

...verhandelt man nicht; man macht ihm den Prozess. Das wird bei Mugabe nicht anders sein. Inmitten seiner Waffen, mit denen der Diktator die Gesetze des einst blühenden afrikanischen Landes zum Schweigen brachte, gebärdete er sich wie ein grausamer Gott. Wie viele Landsleute ihm zum Opfer gefallen sind, wird man nie genau ermitteln können. Nach den vielen Grausamkeiten gegen die eigene Bevölkerung geht es Mugabe nun allein noch darum, eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu umgehen. Man kann nur hoffen, dass ihm dies nicht gelingt. Es genügt nicht, dass der Despot geht (wohin?) und seine Mörderbanden aufgelöst werden. Das Volk von Simbabwe muss seine Achtung und Würde wieder finden. Nur dann hat es eine Chance, die lange Spirale des gewillkürten Niedergangs zu durchbrechen. Dann, wenn die vielen Wunden verheilt sind, könnte es in vielleicht zwei Generationen wieder zu dem zu werden, was es einmal war: der Juwel Afrikas.

 

von friedrich.lautemann | 03.04.2008 14:53:10 Uhr

 

Kein Mangel an Kühen

 

Einen menschlichen Embryo aus einer Hautzelle zu klonen ist der Wissenschaft bereits gelungen. Damit ist die Menschheit dem medizinischen Traum, maßgeschneidertes Ersatzgewebe  für Kranke herzustellen, ein gutes Stück näher gekommen. Für ihr Verfahren verwenden die Forscher Eizellen von  20- bis 24-jährigen Frauen. Es geht also auch ohne Kühe - wenn da nicht das ethische Problem wäre, dass die Frauen ein paar Euro verdienen. Originalton Bas Kast: "Offiziell soll dies natürlich freiwillig geschehen, aber klar ist, dass hier für arme Frauen eine Chance besteht, ein bisschen Geld zu verdienen. Dies kann man durchaus als eine Form von Prostitution für die Wissenschaft betrachten – und die ist moralisch verwerflich." Es ist für uns Menschen  eine lächerliche Rolle, zu moralisieren; Geld im Dienst der Wissenschaft zu verdienen als moralisch verwerflich abzustempeln ist sehr überheblich. Man kann annehmen, dass es Kast gut geht und nicht auf moralisch verwerfliche Weise Geld verdienen muss.

 

 

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 04.04.2008 10:23:10 Uhr

 

Ein Funke Hoffnung für das schlechte Gewissen

 

Wer Menschen an  Krebs und Menschen an AIDS hat sterben sehen, weiß nicht, welcher Tod grausamer ist. Im vergangenen Jahr sind also 290.000 Kinder an Aids gestorben, 420.000 haben sich neu mit dem Immunschwäche-Virus (HIV) infiziert. Insgesamt leben weltweit 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren mit HIV, so viel wie nach UN-Angaben  im vergangenen Jahr  Menschen aller Altersgruppen weltweit  an den Folgen von Aids starben. Dennoch gibt es einen Funken Hoffnung - vielleicht darauf, dass wir weiterhin von dieser heimtückisch und epidemisch auftretenden Krankheit verschont bleiben. Hoffnung auf Heilung und Hoffnung auf ein erfolgreiches Zurückdrängen der Krankheit gibt es nicht, allenfalls also die Hoffnung der Beschwichtigung des schlechten Weltgewissens. Denn es geht kein Ruck durch die Welt, diese Krankheit mit allen denkbaren Mitteln zu verhüten - vor allem im armen Schwarzafrika. Die Mächtigen bedauern das Schicksal der Kranken - und wenden sich wieder Macht- und Rüstungsfragen zu.

 

 

von friedrich.lautemann | 04.04.2008 11:00:01 Uhr

 

Die wahren Helden unserer Zeit

 

Der deutsche Astronaut Hans Schlegel ist einer der wahren Helden unserer Zeit. Auch wenn wir uns an die bemannten Raumflüge gewöhnt haben: viele haben sich einen Rest ungläubigen Staunens über Technik, Präzision, Logistik und Heldenmut der Astronauten bewahrt. Dass Europas erstes Frachtraumschiff "Jules Verne" am Donnerstag erstmals an die Internationale Raumstation ISS angekoppelt hat, kann uns alle mit Stolz erfüllen. Der gut 19 Tonnen schwere automatische Raumtransporter soll das komplizierte Manöver mit wenigen Minuten Verspätung vollendet haben. Die "Jules Verne" ist nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation Esa im französischen Toulouse das weltweit leistungsfähigste Transport-Raumschiff, das 1,35 Milliarden Euro gekostet hat - wenig im Vergleich zu den Milliarden, die verantwortungslose und wichtigtuerische hochbezahlte Bankmanager in den Sand gesetzt haben - ohne jedes Risiko für sich selbst, wie die Eliten unseres Landes es selbstverständlich für sich beanspruchen.

 

 

Kommentare

von  friedrich.lautemann | 04.04.2008 12:44:38 Uhr

 

Wie beim Fußball

 

Wie beim Fußball weiß man in der bayrischen Landespolitik seit längerem nicht, wer nachher gewinnt. "Es müssen sich alle am gemeinsamen Erfolg der CSU konstruktiv beteiligen", sagte Generalsekretärin Christine Haderthauer. "Das Motto lautet: Reihen schließen und alle wieder aufs gegnerische Tor schießen." Gut so. Drei CSU-Bezirksvorsitzende betonen in einer gemeinsamen Erklärung, die Parteibasis habe die öffentlich ausgetragene Debatte über die Strategie der Partei "satt". "Über Strategie redet man nicht öffentlich, man praktiziert sie." gut so. Die Menschen, so liest man erstaunt, erwarten "gefestigte Inhalte und geschlossenes Auftreten". Beides setzt menschenkundlich betrachtet gefestigte Charaktere voraus. Das hat Horst Seehofer erkannt; das ist sein Gebiet. "Geschlossenheit nach innen, Entschlossenheit nach außen" wird das Wahlziel "50 plus x" garantieren, es sei denn, es läuft schlecht. Dann muss Franz Josef Strauß wieder ran - so lange ist der doch noch nicht tot, oder Stoiber.

 

von

friedrich.lautemann | 04.04.2008 13:11:35 Uhr

 

Berlin ist doch kein Dackel

 

Als sei Berlin ein Dackel: macht wieder Freude, fühlt sich gut an, mag sich selbst, nimmt sich nicht mehr so furchtbar ernst, ist nicht mehr so anstrengend und nicht mehr so angeberisch. Nur der Dreck, den der Kerl macht! Überall Hundehäufchen, wohin man tritt! Der richtlinienkompetente Regierende Bürgermeister, die Inkarnation des "Alles gut so wie es ist" kriegt den Schmutz nicht so mit - auf den Partys geht es sehr edel zu, alles fein geputzt. Berlin bezirksweise im Vergleich zu New York ein Drecksloch? I wo, nicht bei so einer Luft, wie die Berliner Luft Luft. Es gibt also einiges zu tun – ein Mentalitätswandel muss her, das macht Be Berlin. Wirtschaftliche Dynamik“ ist in der Hartz-IV-Metropole nicht angesagt, aus Rücksicht auf die Neidgefühle. Neuerdings beleben Streiks bei Bus und Bahnen die Hauptstadt; die Berliner zeigen den da "oben", dass sie mit allem fertig werden. Nur Hertha könnte öfter gewinnen; aber da wird sich der Regierende Bürgermeister jetzt einschalten.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 06.04.2008 12:27:32 Uhr

 

Heilige Pflicht

 

Olaf Scholz ist ein Jurist. Juristen sind davon überzeugt: erst müssen wir die Fakten kennen, bevor wir sie verdrehen. Scholz ist ein SPD-Schrödianer und hält es für seine Pflicht, eine unsoziale als soziale Politik zu verkaufen und den Schwur zu erneuern: nicht mit dem Verräter Oskar Lafontaine. Wer die Ideen der SPD und die SPD als Partei mehr verraten hat ist eigentlich gar keine offene Frage mehr: man muss sich nur die Fakten ansehen: Der SPD sind in einem noch nie gekannten Ausmaß Wähler und Mitglieder davon gelaufen. Bis zum heutigen Tag fehlt der SPD der Mut, zu sagen: das war falsch. Wir müssen auch auf die Gefühle der Menschen achten, die uns wählen sollen. Die Heuchelei muss aufhören - solche Sätze wie: "Ich setze mich nicht für Mindestlöhne ein, weil ich mir einen politischen Vorteil davon verspreche. Der Mindestlohn ist ein Anliegen, das die SPD mit heiligem Ernst vorantreibt." Die neue SPD ist nur noch für die da, die sich "mühen" - die anderen hat sie abgeschrieben.

 

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 06.04.2008 12:49:52 Uhr

 

Auch du bist Berlin

 

Die Erfinder der Marketing-Kampagne "Be Berlin" haben ihr Ziel erreicht: einen Haufen Kohle gemacht. Der Slogan ist angeblich in aller Munde. Die "Erfinder" dieser teuren, eitlen, narzisstischen und vollkommen nutzlosen Kampagne erinnert an den verlogenen Unfug einer ähnlichen Kampagne: Auch du bist Deutschland. Es gehört schon eine gehörige Portion Frechheit, Unsensibilität und Unverantwortlichkeit dazu, eine solche Kampagne in einer Stadt wie Berlin zu starten, in der sich nicht einmal mehr jeder Zweite aus eigener Kraft ernähren kann. Was soll das? Haben die politisch Verantwortlichen nur noch das eigene Vergnügen im Sinn? Wollen sie mit dieser Kampagne all jene verhöhnen, die nicht wissen, wie sie in dieser angeblich so großartigen Stadt - die Metropole der HARTZ IV-Empfänger - ihr bitteres Dasein fristen sollen? Die Politik hätte mehr für Berlin getan, wenn sie das viele Geld für soziale Zwecke ausgegeben hätte - vielleicht hätte Berlin dann ein paar obdachlose Kinder weniger.

 

 

von friedrich.lautemann | 06.04.2008 20:07:51 Uhr

 

Wahnsinn am Hindukusch

 

Am Hindukusch wird nicht nur unsere Freiheit verteidigt, dort wird auch unser Geld mit vollen Händen ausgegeben. Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sollen im vergangenen Jahr 910,7 Millionen Euro gekostet haben, also etwa 1,8 Milliarden DM. Das gehe aus einem Bericht des Bundesverteidigungsministeriums hervor. In diesem Ministerium arbeiten 3000 Menschen; 2700 wissen eigentlich gar nicht, wozu sie da sind; jedenfalls bieten sie unserem Gemeinwesen keinen Nutzen außer dem, ansonsten der Sozialhilfe anheim zu fallen. Angeblich, damit am Hindukusch nicht noch mehr junge deutsche Soldaten ihr Leben lassen müssen, wurde für 127,3 Millionen Ausrüstung angeschafft, darunter Schutzmaßnahmen für die Transporter Dingo und Fuchs. Außerdem wurden fast alle Fahrzeuge mit Störsendern zum Schutz vor elektronischen Sprengfallen ausgerüstet. Die Lobbyisten im Verteidigungsministerium haben gute Arbeit geleistet. Olaf Scholz spart derweil Kosten bei HARTZ IV und schafft das soziale Deutschland der SPD.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 07.04.2008 17:52:40 Uhr

 

Gesellschaftliche Paradoxie

 

Der Rucksack, in dem sich die Babyleiche befand, trägt die Aufschrift "Paradox" - man möchte hinzufügen: wie in einem schlechten Film. Die verzweifelte und/oder kranke Schwangere, die sich ihrer Verantwortung für das Neugeborene durch seine Aussetzung entziehen wollte, mit der sie ihr Baby dem Tod preisgab, dürfte sich kaum bewusst über die genaue Bedeutung des Wortes "paradox" gewesen sein, das sich mit widersinnig, ungewöhnlich oder gegen jede Erwartung übersetzen lässt. Auch die vorliegende Kindstötung ist widersinnig, aber sie ist keine Tragödie. Es handelt sich um das alltägliche Drama einer ungewollten Schwangerschaft einer Frau, die ihre Lage als aussichtslos bewertete, nachdem sie nun nicht nur für sich, sondern auch noch für ein ungewolltes Kind Verantwortung tragen sollte. Nicht einmal für eine Abtreibung reichte es; Hilfe war nicht in Sicht - nicht wirklich. Nun lässt es sich wieder schön grausen und ermitteln. Das Publikum hat Unterhaltung. Ändern wird sich nichts.

 

 

von friedrich.lautemann | 07.04.2008 18:39:52 Uhr

 

Die Liebe kannte nie das Wort verboten

 

Die Liebe kannte nie das Wort verboten - auch die Justiz kann sie nicht verbieten. Dass dem australischen Liebespaar aus Vater und Tochter von einem Gericht in South Australia auferlegt wurde, sich drei Jahre lang nichts zuschulden kommen zu lassen ist ja rührend; aber dass sie künftig keine sexuellen Kontakte mehr haben dürfen ist daneben gezielt. Zum Glück lässt sich die Liebe nicht in die Karten schauen; man darf davon ausgehen, dass der australische Staat die Einhaltung dieses Urteil eines weisen Richters - wahrscheinlich ist er Junggeselle und in Sachen Liebe noch nicht so bewandert - nicht mit heimlich installierten Kameras sicher stellen lassen will. Nur Verhüterlis sollten die beiden nehmen, und er sollte auf seine Figur achten, um seiner jungen Geliebten ein gutes Beispiel zu geben. Schlank macht inzestuöse Liebe vermutlich noch mehr Spaß; und er ist immerhin schon 61 - also in einem Alter, in dem man ihm den gewünschten Respekt vor seinem Liebesvermögen nicht versagen sollte.

 

 

von lauti
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Saturday 22 march 6 22 /03 /März 15:38

Friedrich Lautemann

Rechtsanwalt, Publizist

Roman- und Sachbuchautor                            T 030 7007

12057 Berlin                                      www.friedrich.lautemann.over-blog.com

 

                                                                       21.03.2008

 

info@sei.berlin.de

 

Redaktion Be Berlin

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Sie schrieben mir am 19. März 2008:

 

„…es tut uns leid, dass Ihnen die neue Berlinkampagne nicht gefällt. Wir

haben neben konstruktiver Kritik sehr viel Lob und Anerkennung bekommen.

Wir denken also, dass wir auf dem richtigen Weg sind. **/Be/** Berlin**

ist übrigens noch nicht „fertig“, sondern wächst und wandelt sich

laufend. Sie dürfen also gespannt sein auf Neuigkeiten…“

 

Haben Sie vielen Dank dafür.

 

Ich möchte Ihnen mitteilen, was mir an dieser Kampagne missfällt, und zwar als Mitglied der SPD und als Bürger dieser Stadt. Über die sozialen „Verwerfungen“ in Berlin, lies: über die Verarmung und Verelendung weiter Teile unserer Bevölkerung sind die zuständigen Behörden und die verantwortlichen Politiker im Details besser informiert als möglicherweise Sie und jedenfalls ich. Ich habe mich viele Jahre als Strafverteidiger um straffällig gewordene Jugendliche gekümmert; ich weiß, dass diese Menschen in aller Regel in ihren „Familien“ verraten und verkauft worden sind; sie waren  nirgendwo willkommen und sind es bis zum heutigen Tag nicht.  Viele von ihnen gehen den Weg in die Verwahrlosung und Obdachlosigkeit. Am Anfang solcher Verliererkarrieren steht mittlerweile das maßlose Trinken, ganz sicher sind es Hilfeschreie, ganz sicher geht es um das zeitweilige Vergessen völliger Hoffnungslosigkeit.  Diese Jugendlichen, zum Teil halbe Kinder,  sehen richtig, dass sie keine Zukunft haben -  es sei denn, sie wären uns nicht länger so furchtbar gleichgültig.

 

Im TAGESSPIEGEL vom 20. März war dazu zu lesen:

 

„Die Zahlen der Berliner Gesundheitsbehörde sind schockierend: Immer mehr Jugendliche trinken sich krankenhausreif. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Krankenhausfälle verfünffacht. Die Zahlen für 2007 sind noch beängstigender. Sie betrinken sich mit purem Wodka - so lange bis sie mit einem Alkoholrausch ins Krankenhaus kommen. Manche von ihnen bezahlen den "Spaß" mit ihrem Leben. 296 Berliner Jugendliche haben sich im Jahr 2006 krankenhausreif getrunken. Den Rekordhalter unter den Stadtteilen bildet Marzahn-Hellersdorf. 40 Fälle wurden dort gemeldet. Die Tendenz ist leider steigend. Im Jahr 2000 wurden insgesamt nur 56 Fälle in ganz Berlin gemeldet - mittlerweile sind es fast fünf Mal so viele…“

Die Ursachen sollen nach Angaben der Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, darin liegen, dass den Jugendlichen klare Botschaften und Vorbilder fehlen. Vor allem gelte das im Umgang mit Suchtmitteln wie Alkohol. Die Gesundheitssenatorin spricht von einer "besorgniserregenden Entwicklung". Sie appelliert an alle, die mit Jugendlichen zu tun haben, verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen und sich an die Gesetze zu halten.

Vielleicht stimmen Sie mir zu, wenn ich sage, dass man so niemanden aus dem Sumpf zieht. Ihre Kampagne „Be Berlin“ zur Verbesserung der Willkommenskultur wendet sich in irritierender Weise an die viel Geld verschlingende Kampagne „Auch du bist Deutschland“ erinnernd  an alle möglichen Leute, nur nicht an die, die ganz sicher nicht willkommen in unserer Gesellschaft sind – die Außenseiter, die, die ohne Chancen sind.

 

Natürlich kann sich Politik nicht nur um die Verbesserung der Lage der Ärmsten und Armen drehen; aber bevor für Kampagnen, auf die nach dem ersten Anschein der Verdacht der Eitelkeit ihrer Initiatoren fällt, so viel Geld zum Fenster hinaus geschmissen wird, sollte ein anderer Feldzug gestartet werden: Berlin obdachlosenfrei zu machen. Dies  würde in der Welt der verantwortlichen und mitfühlenden Menschen einen unvergleichlich  nachhaltigeren und positiveren Effekt haben als „Be Berlin“ mit seinen albernen Slogans.

 

Seien Sie mir nicht böse; zu sagen was ich denke ist das einzige Privileg,  vielleicht Veränderung herbeizuführen, über das ich verfüge.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Friedrich Lautemann

 

PS: Dieses Schreiben wird in meinem Blog zu lesen sein.

 

 

 

 

 

 

von lauti
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Monday 17 march 1 17 /03 /März 15:48

von  friedrich lautemann | 03.03.2008 08:38:07

 

Der Palästina-Krieg

 

Auge um Auge, Zahn um Zahn

 

Keine Fernsehnachrichten mehr, in der wir nicht sehen können, wer heute wen und wo umgebracht hat. Israel ist fast immer bei den Opfern und Tätern des gegenseitigen Tötens dabei - auf einen toten oder verletzten Israeli müssen 20 und mehr Palästinenser dran glauben. Israel ist der stärkere der Feinde im Nahen Osten. Israel müsste aufhören, zurück zu schlagen und beginnen seinen Nachbarn zu helfen anstatt ihnen weiterhin zu schaden. Es wird anders kein Entrinnen aus dem Teufelskreis der sinnlosen und furchtbaren Gewalt geben. Es wäre mutiger und klüger, Israel würde auch die andere Wange hinhalten, als nach dem Ius talionis zu verfahren. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

von  friedrich lautemann| 04.03.2008 09:02:47 Uhr

 

Kurt Beck

 

Ein Teufelsfest

 

Für den Bund bleibt eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen - wider jede politische Vernunft. Sollte man dies nicht besser dem "Souverän", dem Volk an den Wahlurnen der nächsten Bundestagswahlen überlassen, also denen, die noch wählen? Man ist an Goethes Wort erinnert: "Zuletzt,  bei allen Teufelsfesten, wirkt der Parteihass sich zum Besten, bis in den allerletzten Graus". Kurt Beck, so liest man erstaunt,  stärkten die meisten der 80 Mitglieder des Parteirats den Rücken. So, so. Aber hätten sie nicht besser für den kranken Kehlkopf des Parteivorsitzenden gebetet? Seine Krankheit macht ihn stumm. Wenn er klug ist, bleibt er in Mainz - Schuster, bleib bei deinen Leisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 von  friedrich.lautemann | 05.03.2008 09:47:47 Uhr

 

Alles schon da gewesen

 

Gegenseitige Verunglimpfungen in Wahlkämpfen haben einen hohen Unterhaltungswert für das Publikum. Sie bestärken es in seiner Gewissheit, dass Politik ein schmutziges Geschäft ist. Als der republikanische Präsidentschaftskandidat Nixon im amerikanischen Wahlkampf John F. Kennedy vorwarf, er sei ein Betrüger, antworte der Demokrat mit großer Zurückhaltung: "Er ist ein Republikaner".
Den Ausgang dieses "historischen" Wahlereignisses kennen wir. Kennedy wurde ermordet, und Nixon wurde etwas später Präsident.
Nun war seine große Zeit für das Tricksen, Einbrechen und Betrügen gekommen; und sein verbrecherischer Vietnamkrieg mit Napalmbomben auf die Zivilbevölkerung sicherte ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern. Sonst wurde in diesem Krieg, in dem Amerika die Freiheit Südvietnams "verteidigte", nichts gewonnen. Man darf gespannt sein, welchen Krieg der nächste Präsident führt. Kriege haben einen hohen Unterhaltungswert. Niemand möchte sie wirklich missen.

 

 

von  friedrich.lautemann | 05.03.2008 09:14:01 Uhr

 

Alle Räder stehen still...

 

...wenn dein schwaches Hirn es will. Ein abstoßendes Beispiel für das Versagen der so genannten Eliten in unserem Land. Die Interessen weniger werden auf dem Rücken der ganzen Bevölkerung ausgetragen, will sagen, des Teils der Bevölkerung, der sich keinen Pkw mehr leisten kann, weil er arm geboren oder arm gemacht wurde. Viele von diesen Menschen haben nicht einmal ein Fahrrad, weil es ihnen geklaut wurde. Die Rücksichtslosigkeit, die den Bürgern vorgeführt wird, bekommen die Fahrgäste der Bahn täglich zu spüren. Einige Lokführer ahmen das aggressive Verhalten ihres Gewerkschaftsführers Schell nach. Da kann es dem Fahrgast passieren, dass er beim Anfahren oder Anhalten des Zuges durch das Abteil geschleudert wird; oder dass die Türen geschlossen werden, obschon das Fahrrad noch nicht im Zugabteil ist. Neulich habe ich erlebt, dass der Fahrgast genötigt wurde, den Zug wieder zu verlassen. Er war auf den letzten Drücker ins Zugabteil gelaufen.

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 05.03.2008 10:12:07 Uhr

 

Die Verwirrung ist groß

 

Nun, da die Zahl der Jungfrauen in Amerika täglich zunimmt, wächst die Chance auf die Geburt eines zweiten Messias. Religiöses Denken, kann man lesen, wirke bis heute fort und schaffe es in den USA sogar, die Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten einzuebnen. Das ist ein ebenso großes Wunder wie von einer Jungfrau geboren zu werden. Höchstwahrscheinlich handelt es sich hier um die Vorboten der Geburt eines neuen Heiland. Der wird in Amerika auch dringend gebraucht - auch nach der Wahl eines neuen Präsidenten. Dort sitzt mittlerweile jeder hundertste Amerikaner hinter Gittern. Interessant wäre es nun soziologisch, heraus zu finden, wie viele von diesen Gefängnisinsassen Jungfrauen sind. Dann hätte die Debatte, Jungfrau ja oder nein, ein weiteres Argument für Pro oder Kontra.

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 06.03.2008 09:45:31 Uhr

 

Beutestücke von Politverbrechern

 

Die einst von Saddam Hussein, dem öffentlich geköpften Diktator und Massenmörder, legal erbeutete Yacht verfügt neben mehreren Schwimmbecken und Saunen auch über einen Gebetsraum und einen Raketenwerfer. Diese Yacht ist ein Symbol für die Pervertierung menschlichen Denkens, wie es schlimmer kaum vorstellbar aber gleichwohl historische und alltägliche Normalität ist, ich meine den Wahnsinn der Normalität. Der Gebetsraum neben dem Raketenwerfer hatte sicherlich die Funktion, Allah um seinen Segen zu bitten, dass die abgefeuerten Raketen möglichst viele Feinde und Ungläubige töten mögen. So eine Yacht ist ihr Geld wert. Wer es dafür ausgibt, hat es so erbeutet wie Saddam Hussein seine Traumjacht. Es ist dem Volk geraubt worden.

 

 

von friedrich.lautemann | 08.03.2008 08:37:22 Uhr

 

Die Quittung für eine verfehlte Politik

 

Man kann die Sturheit der Gewerkschaft in diesem Tarifstreit nur dann richtig (und wohlwollend) beurteilen, wenn man darüber informiert ist, was Verdi von den "Heuschrecken" hält: Rot-Grün hat den "Heuschrecken" einen roten Teppich ausgerollt, lies: den
Boden für eine noch nie da gewesene Spekulation des Finanzkapitalismus. Sie hat Zigtausende von Beschäftigten ihren Job gekostet; sie hat eine schamlose, wenn auch ideologisch (Stichwort Globalisierung) verbrämte Umverteilung von unten nach oben ausgelöst und alle Hemmungen für die eh Privilegierten beseitigt, sich vor aller Augen schamlos zu bedienen. Die Beseitigung der Besteuerung von Erlösen aus der Veräußerung von Unternehmen oder Unternehmensteilen hat außer den Begünstigten niemand verstanden. Gleichzeitig hat Merkel von den Härten des Regierungshandelns gesprochen, welche die kleinen Leute, die zur Kasse gebeten wurden und werden, bitte hinnehmen sollen - im Interesse des Fortbestandes sozialer Ungerechtigkeit.

 

 

von   friedrich.lautemann | 08.03.2008 08:51:05 Uhr

 

Casdorff

 

Wollen Sie nicht besser mich kommentieren lassen? "Er (Beck) muss jetzt gewinnen, da gibt es keine Wahl. Zuerst an Format." Ja, das ist wohl wahr - aber gilt es nicht auch für Ihren Kommentator?

 

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 08.03.2008 09:11:09 Uhr

 

Das soziale Deutschland

 

Schade, dass dem Leser die Urteilsbegründung des Berliner Verwaltungsgerichts vorenthalten wird. Was sie bewogen hat, die Richter, scheint mir klar: Der Verlust von 11.500 Arbeitsplätzen ist für sie anders als für den Springer-Verlag unerträglich. Der hatte als Mehrheitseigner der Pin-Gruppe unmittelbar nach der Mindestlohn-Entscheidung den Geldhahn zugedreht und Zumwinkels letzten großen Triumph als Postchef inszeniert. Vermutlich hatte man sich in Lichtenstein besprochen. Olaf Scholz erweist sich immer mehr als ein Müntefering ebenbürtiger unsozialer Sozialdemokrat. Man handelt bedenkenlos gegen die Interessen der "kleinen Leute" (wie bei der Steuerbefreiung für Unternehmensveräußerungsgewinne und gleichzeitiger Kürzung von HARTZ IV im Fall längeren Krankenhausaufenthalts zB), schwenkt aber die Fahne und schreibt "Das soziale Deutschland" drauf. Man wird sich noch wundern; die Justiz wird sich als Retter in der Not gegen den fortschreitenden Sozial- und Stellenabbau erweisen.

 

 

von friedrich.lautemann | 09.03.2008 09:20:42 Uhr

 

Vernunft und Logik

 

In unserer Welt voller Konflikte sind die am gefährlichsten, die bei ihrem Austrag gegen die Interessen Unbeteiligter verstoßen. Falsche Kommunikation lässt sie eskalieren; am Schluss ist Krieg. Und wie  nach jedem Krieg gibt es einen Friedensschluss. Was bleibt, ist die Verstärkung der Gewissheit der Bevölkerung, die ja als Geisel zur Durchsetzung von nicht nur ehrenhaften Motiven Einzelner genommen wird: die machen mit uns was sie wollen. Vernunft und Logik müssten ein solches Ergebnis aber auf Teufel komm raus verhindern. Tief zu stapeln, wie es Minister Tiefensee tut, hilft nicht. Es ist keine Zeit für taktische Spielchen. Es ist eigentlich für die Parteien an der Zeit, umzukehren und die eigene Verwirrung zu erkennen - und die Probleme, die sie der Bevölkerung macht. Ob diese wichtigtuerischen Eliten es schon wissen, dass die Menschen in Deutschland, die mit Bussen und Bahnen fahren, schon genug Probleme haben?

 

 

 

von friedrich.lautemann | 09.03.2008 09:03:59 Uhr

 

Logik und soziale Verantwortung

 

Es ist seit langem die erste Verlautbarung, die aus der SPD kommt, die mit Logik und gesundem Menschenverstand von sozialer Verantwortung spricht. Natürlich ist diese Stimme die einer jungen Sozialdemokratin. Man kann der SPD nur wünschen, dass sie der Gewohnheit widersteht, diese Stimme zu unterdrücken und darin fort  fährt, sich selbst und dem Publikum etwas vorzumachen.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 09.03.2008 10:30:34 Uhr

 

Ackermann, das große Geld und das Recht

 

Nicht Leo Kirch ermittelt auf seinem Rachefeldzug gegen Ackermann; die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und man kann davon ausgehen, dass sie zumindest einen Anfangsverdacht gegen den Chef der Deutschen Bank hat - wie schon einmal im Komplex Mannesmann - Vodafon. Und dieser Anfangsverdacht erwies sich ja als begründet. Ackermann hat sich für die Aktionäre und für die Gewinne des größten deutschen Bankhauses ebenso verdient gemacht wie für sein eigenes Vermögen. Nur ist das kein Grund, nicht zu ermitteln - auch wenn wenig Aussicht besteht, dass sich die Wahrheit gegen die Macht des Geldes und der Politik durchsetzt. Wie gesagt: wenig Aussicht. Nicht: keine Aussicht. Die Justiz ist relativ unempfänglich für Macht und Status. Wie gesagt: relativ unempfänglich. Man wird sehen, was aus dem "Rachefeldzug" von Leo Kirch, dem alten Fuchs, gegen die Deutsche Bank wird

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 10.03.2008 08:36:43 Uhr

 

Kognition und Emotion

 

Die liberale Psyche ist noch immer die der Besserverdienenden. Sie besteht aus vielen ehrenhaften, zum Teil sogar verifizierten wissenschaftlichen Theorien. Nur etwas kommt zu kurz: das Gefühl. Westerwelle ist ein hervorragender Repräsentant dieser "liberalen Psyche" der FDP. Er ist ein blendender Debatter; auch wenn man ihm inhaltlich nicht zustimmt, ist man beeindruckt von seiner Rhetorik. Am Ende seiner rednerischen Kanonaden aber ist ein flaues Gefühl in der Magengrube. Man könnte es übersetzen: dem Mann fehlen Humor und Mitgefühl. Die politische Funktion der FDP auf Marktwirtschaft und den Schutz der bedrohten Freiheit zu reduzieren ist eine zum Scheitern verurteilte Strategie. Immer ist es die vornehme Aufgabe von Politik, sich um die Schwachen und Benachteiligten zu kümmern; dies heute mehr denn je. Alle Parteien haben dies erkannt oder ahnen es zumindest; nur nicht die glorreiche FDP. Wer will also mit ihr etwas zu schaffen haben? Niemand. Das ist die Tragödie der FDP.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 10.03.2008 09:00:47 Uhr

 

Politik ist keine Prosa

 

Der TAGESSPIEGEL erwartet sicherlich auf diesen Schmarrn keinen ernsthaften Kommentar. Was sollte man, ohne ironisch oder gar zynisch zu werden, auf einen solchen Satz sagen: "Federnd, wiegend, die Arme kraftvoll leicht abgewinkelt, jeder Zoll sprungbereit, im korrekten Anzug, mit Schuhen wie Speerspitzen, so betritt er den Saal, den sie Kaminzimmer nennen. Klein ist er, Wladimir Wladimirowitsch Putin." Putin: Eine Mischung aus Schmidtchen Schleicher und Bonaparte, Frankreichs selbst ernanntem Kaiser und Schrecken ganz Europas? Putin ist ja, wie wir von Schröder, Putins finanziellem Protegé, wissen, ein lupenreiner Demokrat, einer, der seine Macht auf zu jeder Schandtat bereite frühere KGB-Kollegen stützt. Diese seine unverbrüchliche Hausmacht wird ihn mächtiger bleiben lassen als sein Nachfolger Medwedew; sie ist die Peitsche, mit der er jederzeit knallen kann. Beruhigend aber zu lesen, dass Angela Merkel weiß, dass Russland für Deutschland genau so wichtig ist wie Amerika.

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 10.03.2008 10:27:54 Uhr

 

John F. Obama

 

Clinton wird am Wahltag 61 Jahre alt sein, Obama 47. Nun sagen "harmoniebedachte" Demokraten angeblich, er, Obama, könne noch in vier oder acht Jahren antreten und solle Frau Clinton deshalb jetzt den Vortritt lassen. Ach ja? In vier Jahren kann Hillary aus einem ganz anderen Grund nicht mehr antreten: dem, dass sich John F. Obama dann nämlich als Präsident der Vereinigten Staaten zur Wiederwahl stellt und nicht, weil Hillary Clinton dann 65 ist. In der großen Aufgeregtheit des amerikanischen Vorwahlkampfes von Machtinteressen und Gefühlen wird - die Wette gilt - Obama der Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Er hat das, was John F. Kennedy einst zum Präsidenten machte: Charisma. Sein republikanischer Gegner wird wie einst Nixon gegen Kennedy alt aussehen. Nicht die Argumente werden gewogen, sondern der Pulsschlag der Herzen wird gezählt.

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 10.03.2008 13:25:02 Uhr

 

Beck ein Hermaphrodit?

 

"Demokratie, so muss man es wohl sehen, erfordert ein ununterbrochenes Balancieren zwischen Führung und Zustimmung, zwischen nackter und gerade noch erträglicher Wahrheit, zwischen den ausgeprägten konservativen Instinkten der vielen und den oft als Notwendigkeiten formulierten Wünschen der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Dabei kann man ausrutschen wie es jetzt dem SPD-Vorsitzenden und seiner hessischen Statthalterin passiert ist, doch ihr Dilemma sollten auch die Kritiker anerkennen." Sollten, so, so, hier spricht einer der vielen Eliten. Aber muss er sich denn unbedingt im TAGESSPIEGEL produzieren? Beck ist de Gaulle und Thatcher, man fasst es nicht. Beck ist ein Mann, wenn auch einer mit fraulichen Rundungen, und er ist unbestreitbar ein deutscher Politiker, über den der Verfasser dieses Artikels sich auslässt. Wie hoch ist sein Zeilenhonorar? Kann er auch ohne Stütze leben, wenn Sie nichts mehr von ihm veröffentlichen? Wenn dem so ist, dann sollten Sie das tun.

 

 

 

 

 

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 10.03.2008 18:37:20 Uhr

 

Nichts Neues unter der Sonne

 

Wieso hat sich Giordano Bruno selbst vernichtet? Umgebracht haben ihn jene, die sich wie alle Feinde einer offenen Gesellschaft  danach sehnen, sich über ihre Mitmenschen zu stellen. Wir wissen, wie selten es ist, dass sich Machtmenschen vor die Wahl, Wahrheit oder Machterhalt gestellt, für die Wahrheit entscheiden. Das ist heute ja nicht anders. Jene kirchlichen Repräsentanten, die der Einladung zum Disput über Bruno nicht nachkamen, werden ihm zum Vorwurf machen, dass er die Gottessohnschaft Christi verwarf. Um den menschlichen Geist zu korrumpieren gibt es nichts Besseres als religiöse Glaubenssätze. Wer an die Jungfrauengeburt des Heiland und an seine Wiederauferstehung von den Toten glaubt, wird auch anderes glauben, um an der Macht anderer teilzuhaben. Wahrheitssucher wie Giordano Bruno sind die wenigen Helden unter den vielen Maulhelden - zum Hochschulpräsident viel zu schade.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 11.03.2008 09:54:41 Uhr

 

Die Gentlemen

 

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla rief Beck dazu auf, sich klar von den Linken abzugrenzen. "Die SPD muss ihren Eiertanz endgültig beenden", erklärte er in Berlin. Die CDU-Spitze schenke den Aussagen Becks zu den Linken keinen Glauben. Dazu besteht auch kein Anlass. Bis zur Bundestagswahl fließt noch viel Wasser die Spree hinunter, und was ist schon gegen Eiertänze einzuwenden? FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warf Beck vor, CDU/CSU, FDP und Linke gleichermaßen als "gegnerische Parteien" zu bezeichnen und sie damit auf eine Stufe zu stellen. Was sind die Parteien CDU und CSU ausgenommen denn sonst? Hier spricht ein liberaler Intellektueller: Niebel schließt messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Es handelt sich um Vorwahlkampf, also um den begonnenen Tanz ums Goldene Kalb des Bundeskanzleramts. Man könnte auch sagen, es handelt sich um den Eiertanz der Gentlemen. Die Sachprobleme lösen sich bei diesem Tanz von selbst auf. Es darf gelacht und gestaunt werden.

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 11.03.2008 12:51:19 Uhr

 

Wächter der Freiheit

 

Wenn wir dem von den vielen Feinden der Freiheit gewollten Überwachungssstaat entgehen, dann nur deshalb, weil die Richter in den roten Roben in Karslruhe nach den Regeln des Rechts und nicht den halluzinierten Notwendigkeiten urteilen, die angeblich aus der Sicherheitslage folgen. Verschleiert werden die Angriffe gegen die Freiheitsrechte der Bürger traditionell mit ideologischen Argumenten. Immer ist es das Trugbild der Sicherheit, das zu ihrer Begründung herangezogen wird, wie abstrus es im Einzelfall auch ist. Dabei spielen die Erfahrungen und die Logik des Denkens und der wissenschaftlichen Erkenntnisse keine oder bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Man kann dem Bundesverfassungsgericht dankbar sein. Die dritte Gewalt - die Judikative - hat sich wieder einmal als Bollwerk gegen den Abbau von Freiheits- und Bürgerrechten erwiesen.

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 11.03.2008 12:39:04 Uhr

 

Nein, Charles…

 

…wir werden in 20 Jahren nicht lesen, dass Wowereit die Mauer eingerissen hat. Wir können aber noch in 20 Jahren lesen, was er - der seine Homosexualität und das Festefeiern zu seinem Markenzeichen gemacht hat - alles aufgerissen hat.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 12.03.2008 10:24:16 Uhr

 

Hoher Unterhaltungswert

 

Das muss man dem amerikanischen Wahlsystem ja lassen: es bietet spannende Unterhaltung.
Ferraro, eine von Hillary Clintons sehr engagierten Beraterinnen und Managerinnen, hat wie wir lesen in einem Interview mit der kalifornischen Zeitung "Daily Breeze" gesagt, Obama profitiere im Wahlkampf von seiner Hautfarbe. "Wenn Obama ein weißer Mann wäre, wäre er nicht in dieser Position", wurde Ferraro zitiert. "Wenn er eine Frau wäre, wäre er nicht in dieser Position. Er kann glücklich sein, dass er ist, was er ist." Diese ehrgeizige Dame hat das Zeug zu einer großen Philosophin. Allerdings muss man ihr zurufen: das gilt nicht nur für Obama, dass er glücklich darüber ist, was er ist. Man möchte hoffen, dass dies auch für Hillary Clinton gilt. Anders als der jüngere Konkurrent Obama kann sie mit 47 nicht mehr sterben, sie kann als weißhäutige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gewinnen oder verlieren. Bei dieser Ausgangslage kann man sich schon über den Konkurrenten echauffieren.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 12.03.2008 09:13:03 Uhr

 

Dolce vita, süße Pflicht

 

Sigmar Gabriel hat einen unrühmlichen Vorgänger, in dessen Schatten er jetzt jettet: Rudolf Scharping. Dem gefiel es im Zustand der Verliebtheit, den Verlockungen des luxuriösen Lebens nachzugeben, die ihm seine Macht als Verteidigungsminister im Kabinett Schröder-Fischer darboten. Nun wissen wir alle, dass Macht die fatale Eigenschaft hat, zu korrumpieren; herauskommt dann ein simpler Machtmissbrauch. Scharping wurde ob seiner Leidenschaft für seine Geliebte zu "Bin Baden"; in Mallorca, dem besseren Deutschland, sind Wasser und Luft angenehmer als im garstigen deutschen Schmuddelwetter. Schröder warf ihn dann aus dem Kabinett, wie es unter guten politischen Freunden ja nicht selten vorkommt. Was Sigmar Gabriel auf der Insel machte sagt der Artikel nicht; wahrscheinlich war der Herr Minister conejo con alio speisen. Auf Mallorca gibt es gut schmeckende Kaninchen. Das versteht man; auf ein paar Tonnen CO2 und ein paar Tausend Euro zusätzliche Flugspesen mehr kommt es da nicht an.

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 12.03.2008 10:03:20 Uhr

 

Schmerzens Kinder

 

Als ehrenamtlicher Richter beim OVG Berlin-Brandenburg war ich mit einem Sachverhalt befasst, in dem es um die Beurteilung und die Folgen einer Tat ging, die der hier beschriebenen Tatausführung sehr ähnlich ist: Tritte ins Gesicht aus einer Position an den Haltestangen. Das, was einem in Afghanistan entführten Deutschen widerfährt, zieht ungleich mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich als so ein banaler alltäglicher Fall von noch so unglaublicher Brutalität. Gleichwohl müssen wir die Frage stellen: was muss geschehen, um so zu handeln wie dieser rohe Gewalttäter handelte, als er das Opfer lebensgefährlich verletzte. Das Universum ist eine große Kopiermaschine; die Täter waren fast ausnahmslos Opfer, und sie geben weiter, was man ihnen antat. Das entschuldigt nicht die Tat, aber erklärt das scheinbar Unerklärliche.

PS: In meinem Essay "Schmerzens Kinder" setze ich mich damit auseinander. Ich sende Ihnen diesen Essay auf Anforderung gern zu. MfG Friedrich Lautemann, RA

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 12.03.2008 13:43:25 Uhr

 

Die Strategie ist falsch...

 

...und der gegenwärtigen Parteiführung der SPD fehlt - gemessen an den großen Vorgängern wie Ernst Reuther, Willy Brandt und Helmut Schmidt jegliches Charisma. Das Mittelmaß der Führungsfiguren drückt sich in einer das Publikum verwirrenden Darstellung in den Medien aus; der Wähler gibt die Quittung. Wenn heute noch 23 % der Deutschen SPD wählen würden, und nur 50 % zu den Wahlurnen gehen, bedeutet dies, dass aktuell nur noch jeder Dreizehnte von hundert Wählern tatsächlich sozialdemokratisch wählt. Ich habe meinen Parteifreunden wiederholt gesagt, dass die SPD keine Politik à la Steinbrück und Olaf Scholz machen darf, wenn sie nicht noch mehr Sympathien bei den "kleinen" Leuten verlieren will. Steinbrück macht ohne Zaudern Milliarden locker, um die Löcher zu stopfen, die die Spekulanten aufgerissen haben; das ist ihm "das Image des Finanzplatzes Deutschland" wert, während gleichzeitig Scholz bei den kranken HARTZ IV-Empfängern die Sozialhilfe kürzt. Die SPD muss Schröder überwinden.

 

 

 

 

 

 

von friedrich.lautemann | 13.03.2008 08:43:50 Uhr

 

Krieg oder Frieden

 

Wie sehr sich der nächste Präsident von Bush unterscheidet ist nicht die große Frage. Ich fürchte, nicht sehr viel. In seinen Kriegsmemoiren beschreibt der frühere englische Premier und Kriegsminister des 2. Weltkriegs Winston Churchill die Lust, sich der Kriegsführung bemächtigt zu haben, so: "Doch in einer nationalen Krise über die Macht zu verfügen, ist ein Segen für einen Mann, der zu wissen glaubt, welche Befehle erteilt werden müssen. In keinem Tätigkeitskreis gibt es einen Vergleich zwischen den Stellungen von Nummer eins und den von Nummer zwei, drei oder vier." Unverblümter hat noch nie ein intelligenter Machtpolitiker die Faszination und Perversion "verantwortlicher Kriegführung" beschrieben. Nicht Amerika ist knallhart; und auf die Rückkehr der "wahren Amerikaner" brauchen wir nicht zu warten. Die Wirklichkeit der amerikanischen Außenpolitik wird von Amerikas Interessen und den Gefühlen des amerikanischen Präsidenten bestimmt. Die Verhältnisse sind unverändert die gleichen.

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 13.03.2008 09:05:45 Uhr

 

Erst denken, dann beten

 

Beträume für Muslime haben in Schulen nichts zu suchen; Deutschland ist kein türkischer Gottesstaat, jedenfalls noch nicht. Einige Politiker und andere Eliten arbeiten aber daran. Ich weiß noch, wie peinlich ich vor kurzem berührt war, als der türkische S-Bahn-Fahrgast mir gegenüber seinen Koran rausholte und laut daraus zu lesen begann. Es war wie in einem schlechten Film. Ich glaube an Gott als schöpferische Kraft; aber ich glaube nicht an die vielen Religionsstifter, die mit ihren zum Teil märchenhaften Dogmen Unfrieden, nicht selten auch Kriege gestiftet haben und stiften werden. Wer glauben will, soll glauben. Aber es muss seine private Sache sein, und er muss seinen Glauben persönlich und privat leben und darf ihn anderen nicht aufdrängen. Ich kenne die Urteilsgründe des Verwaltungsgerichts nicht. Es wäre aber nicht das erste Urteil, das anschließend vom Oberverwaltungsgericht kassiert wird. Sehr viele Gründe sprechen dafür, dass das OVG Berlin-Brandenburg genau dies tun wird.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 13.03.2008 13:37:37 Uhr

 

Täter und Opfer

 

Die Führungsriege der heutigen SPD ist in der schlimmen Lage, die Fehler von Rot-Grün und Schröder zu bekennen oder zu leugnen und als erfolgreiche Politik zu verkaufen. Sie ist dazu noch in parteiinterne Machtkämpfe verstrickt; sie laufen mit ihren Dolchen herum und versichern sich ihrer Solidarität. Das Publikum kann das Desaster der SPD förmlich greifen. Nun muss man wissen, dass es Menschenbrauch ist, den umzubringen, den man fallen sieht. Die Lage der SPD ist dramatischer, als ihre Verursacher es erkennen können. Die SPD zahlt einen hohen Preis für die Kanzlerschaft von Schröder. Heute wissen wir, was seine "Neue Mitte" real ist: der ausgeblutete Mittelstand und die entrechteten Arbeitslosen. Wie kaltblütig Sozialdemokraten die "Härten des Regierungshandelns" in der Großen Koalition nicht nur hinnehmen, sondern mittragen und als soziale Errungenschaften verkaufen, ist ohne Beispiel. Das Schiff geht unter, aber die Musik soll weiterspielen. Sie wird es nicht mehr lange.

 

 

 

von  friedrich.lautemann | 14.03.2008 09:07:49 Uhr

 

Verstellter Blick

 

Frank-Walter Steinmeier verdankt seine Karriere Gerhard Schröder. Sein Blick ist verstellt. Mit schönen pastoralen Worten verteidigt er die "Agenda 2010". Er hat sich von der sozialen Wirklichkeit in unserem Land, für das er als Außenminister bedeutungsvoll durch die Welt jettet, entfernt; er weiß nicht, dass man mit hohlen Worten die Wirklichkeit für die nicht verändert oder gar verbessert, die anders als er und der reich gewordene Polit-Rentner Schröder der Macht des Kapitals und der Willkür staatlicher Kontrollbürokratie an der Armutsgrenze ausgeliefert sind. Die Eliten haben einen Sozial- und Transferstaat weniger geformt als zugelassen, in dem die Arbeitslosenquote von 150.000 im Jahr 1970 auf das h

Rekordniveau von heute gestiegen ist. Wir verstehen das Elend unserer Gesellschaft nicht, wenn wir nur die Arbeitlosen und Almosenempfänger als Sozialkranke registrieren und die Immigranten bedauern. Jährlich werden über 12 Millionen Menschen stationär behandelt. Die Gesellschaft als ganze ist krank.

 

 

von friedrich.lautemann | 15.03.2008 09:22:27 Uhr

 

Im Kindergarten der Ideologie

 

Für Westerwelle ist es eine Zumutung, dass die Parteien dem Bundespräsidenten ihm noch keine Mehrheit in Aussicht stellten, ihn am 23. Mai 2009 zu wählen. Köhler stehe für Bürgernähe, wirtschaftliche Vernunft und rechtsstaatliche Sensibilität - wie man es von Präsidenten erwarten dürfe, der für Schwarz-Gelb "steht". CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Union werde sich aus Respekt vor dem Amt aber derzeit nicht äußern, sondern warte jetzt auf die Entscheidung des Bundespräsidenten. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, der Respekt vor dem Amt gebiete es, dass Köhler zuerst selbst seine Pläne darlege. Man dürfe das Staatsoberhaupt "nicht unter Druck setzen". Grünen-Parteichef Bütikofer findet es unverständlich, dass Westerwelle jetzt Druck machen will. Ihm scheint es, er nütze damit eher sich als dem Präsidenten. Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, bezeichnete den Vorstoß des FDP-Chefs als "Wichtigtuerei". Das ist Politik. Das sind unsere Eliten.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 17.03.2008 09:04:57 Uhr

 

Versöhnung oder Millionen

 

Anders als bei Nicht-Milliärden geht es in der "Liebe" zwischen der Schönen und dem alten Reichen jetzt um Millionen. Die alte Frage: Trennung oder Versöhnung stellt sich bei dem Altersunterschied von einem Vierteljahrhundert und den 1,1 Milliarden Pfund des herbei geschnulzten Vermögens nicht. Wie man liest ist aus dieser seltsamen "Liebesverbindung" sogar ein Kind hervorgegangen. Paul McCartney ist schon ein Teufelskerl. Nach deutschem Recht könnte Heather Mills durch die Preisgabe von Perversionen in der Ehe nicht auf zusätzliche Millionen spekulieren, auf die zu erfahren das Publikum natürlich erpicht ist. Wie ein alkoholisierter Milliardär eine junge Frau zum Sex zwingt oder so; da geht einem ja das Herz auf. Unwillkürlich muss man gerührt an den alten Schlager denken: eine junge Liebe ist wie ein junges Leben. Deutschland, nebenbei bemerkt, ist wie England auch, ein Land voller Trennungstrümmer. Nur sind die meisten nicht vergoldet wie die von Heather. Ihnen hängen Tränen an.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 17.03.2008 13:07:48 Uhr

 

Beck ist und bleibt Kanzlerkandidat...

 

...es sei denn, er wird es nicht. Arme alte SPD; wie schwer ist es, sich von seinen selber begangenen Irrtümern zu trennen und zu bekennen: Ja, das war es wohl nicht. Wir beginnen neu. Struck, der erste, der den Dolch aus seinem Gewand gegen Beck zückt, leidet an den Folgen eines Schlaganfalls. Er hat in der Bundestagsfraktion den Ruf, seine Äußerungen seien häufig nicht bis ins Letzte durchdacht. Der „Peter“ sei eben ein Raubauz, der gerne poltere und nicht jedes Wort auf die Goldwaage lege. Gerade das mache ihn ja so sympathisch - und prädestiniert ihn zum Repräsentanten der SPD-Politik, welche die Menschen nicht mehr verstehen. Wer nach allen Seiten offen ist kann nicht ganz dicht sein. Das ist wohl wahr. Aber die Frage ist doch die: Wem will die SPD gefallen? Den Reichen oder den Armen und weniger Reichen; den rechten Kräften oder den linken? Beck muss sich ein weiteres Mal korrigieren und ein Bündnis mit den Linken anstreben, überall dort, wo der Wähler das will.

 

 

 

von friedrich.lautemann | 17.03.2008 14:19:33 Uhr

 

Einfach, aber falsch

 

Für Leute wie Peter Struck ist alles einfach, aber falsch. Heißt es bei den Anwälten noch, erst müssen wir die Wahrheit kennen, bevor wir sie verdrehen, hält Peter Struck bei der Wirklichkeit gar nicht erst an. Er beginnt zu verdrehen, ohne die Wahrheit zur Kenntnis zu nehmen.
Das scheint neuerdings für die ganze SPD als Allheilmittel zu gelten, sich durch Abwendung von der sozialen Wirklichkeit und den Wünschen der Wähler unbeliebt zu machen. Beck ist also an dem Schlamassel schuld, in den jene die SPD hineingeritten haben, die den längst entschiedenen Machtkampf Schröder/Lafontaine fortsetzen, indem sie sagen: mit dem nicht. "Mit Leuten wie Gysi" (Originalton Struck) will die alte Garde vom Hof Gerhard Schröders nichts zu tun haben - fragt sich nur, warum nicht auch in Berlin. War Gysi nicht Wirtschaftssenator?
Es ist nun Zeit für Beck, damit aufzuhören, für alle Richtungen offen zu sein, bis auf die, die für einen SPD-Kanzlerkandidaten allein sinnvoll und Erfolg versprechend ist: nach links.

 

von lauti
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Monday 25 february 1 25 /02 /Feb. 07:14

Trennung oder Versöhnung

 

Von Friedrich Lautemann

 

 

Wenn wir vor den Scherben einer gescheiterten Beziehung stehen – können wir dann wirklich nur, wie es meistens geschieht, zwei nutz- und sinnlose Dinge tun: Unser Schicksal im Schatten seines Charakters, seiner Leidenschaften, Fehler und Schwächen beklagen oder – einzige Alternative – den anderen beschuldigen?

 

Keine  Beziehung ist je zerbrochen, ohne dass nicht wenigstens einer von beiden den anderen auf dem Spielfeld offen oder versteckt gefoult* hätte. Ganz allgemein kann man sagen, dass beide aneinander schuldig wurden, indem sie das rituell in der Kirche oder vor dem Standesamt oder in unritueller Form vielleicht nur stillschweigend gegebene Versprechen brachen, sich nicht zu betrügen: „Für immer und ewig dein.“  Gesetzmäßig landen sie dann im Teufelskreis der Verletzungen, aus dem es so oft kein Entrinnen gibt. Das schmutzige Spiel hat begonnen und katapultiert sie, oft ohne dass sie sich dessen so richtig bewusst sind, aus der Verantwortung füreinander als Paar, für den anderen aber auch für sich selbst heraus. Es ist so, als ob der Teufel Regie führte. Sie begannen mit den besten Absichten und richten ein Schlachtfeld an.

 

Diese Aussage, dass sie ihre Beziehung mit den besten Absichten begannen, ist nicht einschränkungslos gemacht. Es werden auch Beziehungen begründet, in denen einer oder gar beide böse Absichten hegen – und zwar von vorneherein. Damit ist nicht nur der Heiratsschwindler gemeint, jener trübe Charakter, der aus eigener Lebensuntüchtigkeit oder kriminellen Neigungen heraus den vorgeblich geliebten Partner ausnimmt wie ein Parasit seinen Wirt. Meist handelt es sich dabei um destruktive,  zerstörerisch und selbst zerstörerisch gewordene Menschen. Es sind oft unterdrückerische Personen. Sie sind vor allem von an Unterdrückung gewöhnten Menschen nur schwer, wenn überhaupt zu erkennen. Der Unterdrücker lässt den anderen nicht gelten. Er macht ihn klein. Er setzt ihn herab. Er ist grundlos eifersüchtig, um ein paar typische Fehlverhaltensweisen zu skizzieren.   Das

 

* Das Buch zum Thema: Wenn Liebe zum Desaster wird. Mobbing in der Ehe. Von Sonja Nufer und Hans Christian Schrader. Eichborn.

 

Unglück nimmt seinen Lauf. Kein unterdrückter Mensch ist jemals ungeschoren aus der Umklammerung eines ihn unterdrückenden Menschen heraus gekommen. Schon mancher brave Mann und manche gute Frau wurde von einer unterdrückerischen Person an den  Bettelstab gebracht oder vor der Zeit  ins Grab geschaufelt. Unterdrückung ist ein Grund, warum Liebe gefährlich ist. Die schlimmsten Verletzungen werden uns aus allernächster Nähe beigebracht  - weil wir dort am wehrlosesten sind, wo wir einmal Liebe und Geborgenheit finden wollten. Kein Mensch kann eine Vielzahl solcher an die Substanz gehender Aggressionen und Bosheiten seines Intimpartners verkraften. Mobbing in der Partnerschaft ist fast immer desaströs.

 

Nicht immer sind an der Zertrümmerung einer Beziehung beide schuld.  Es genügt die Lieblosigkeit von einem der beiden. Da er für sein liebloses Verhalten aber einen Grund braucht,  sucht er einen.  Gibt es keinen, erfindet er ihn. Nun kann er sich einreden, der andere habe verdient, was er ihm zumutete und antat. Ein schlechtes Gewissen muss immer besänftigt werden. Man will ja morgens in den Spiegel sehen.

 

Wenn wir Menschen zuhören, die den früheren Liebes- und „Lebens“-Partner schmähen, haben wir es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit jemandem zu tun, der seine eigenen Fouls am anderen vor sich selbst und allen anderen verstecken will. Wie Vorwürfe eines Partners an den anderen die Funktion haben können, von eigenem Fehlverhalten abzulenken, dient die überschießende, unsachliche und immer wiederholte Schmähkritik der Unsichtbarmachung eigenen Versagens. „Er ist unehrlich“ kann  daraufhin deuten, dass der Absender eines solchen Vorwurfs selber unehrlich ist. Neurotische, also schwer verletzte Menschen können nicht ehrlich sein. Natürlich mag es Ausnahmen geben. Wir reden hier auch nicht vom Schönreden unangenehmer Tatsachen; die Rede ist vom Belügen und Betrügen des anderen, um ihm zu schaden. Es sind gehässige Menschen. Die Gehässigkeit ist die kleine Schwester des Hasses. Liebe schließt Gehässigkeiten aus.

 

Wer in der Krise einer Beziehung weg geht oder die vom anderen angebotene Versöhnung ausschlägt, tut es oft aus dem Gefühl heraus, sich durch eigene Fehltritte schuldig gemacht zu haben – am anderen, sich selbst und an den Fortbestehenschancen seiner Beziehung. Diese Fehltritte verheimlicht er, wenn möglich, und rechtfertigt sie um den Preis der Lüge. Lüge hat etwas Teuflisches. Lüge führt die Menschen  ins Leid. Denn sie kommt nicht ohne Selbstbelügung aus.

 

Vor dem anderen verheimlichte Fouls nennen wir hier versteckte Fouls. Eine Beschimpfung des anderen oder ein tätlicher Angriff können nicht verheimlicht werden. Sie können auch nicht ungeschehen gemacht werden. Allerdings lösen sie fast immer den Mechanismus der Selbstrechtfertigung aus. Er kann schwerer wiegen als die eigentlichen Verletzungen, die er dem anderen zufügte.

 

Eine ehewidrige oder ehebrecherische Beziehung kann dagegen durchaus eine Zeitlang vor dem Betrogenen versteckt werden, wie auch eine verschwenderische Spielleidenschaft vorübergehend verheimlicht werden kann. Nach altem Eherecht war eine einzige verbale Entgleisung eine Ehewidrigkeit und ein Grund für eine Ehescheidung, es sei denn, sie sei verziehen worden. Der „eheliche Verkehr“ in Kenntnis der vorgefallenen Fouls galt dabei juristisch stets als verzeihende Versöhnung. Der von den Juristen so genannte Beischlaf mit einem anderen war Ehebruch und bereits als solcher ein absoluter Ehescheidungsgrund. Allerdings konnte auch er durch nachträglichen „ehelichen Verkehr“ im juristischen Sinn verziehen oder  gewissermaßen ungeschehen gemacht werden. Pikanterweise befassten sich die Richter dabei oftmals mit der Frage, ob es denn wirklich Ehebruch war. Die Frage drehte sich ganz ernsthaft darum, ob „dran oder drin“.

 

Das sich einem anderen in intimer Weise Zuwenden oder der Seitensprung ist heute der häufigste Anfang vom Ende einer Beziehung, wenn auch juristisch kein Scheidungsgrund mehr. Die Versöhnung nach dem Fremdgehen ist allerdings nach wie vor sehr schwierig. Die Verletzung, die im Vertrauensbruch liegt, wiegt schwer.

 

Versöhnung sollte vor Trennung gehen, wenn sich die Beiden noch immer mögen. Sie sind durch tausend intime Berührungen durch das Hormon Oxytoxin verbunden. Wie es schon schwer ist, einen Fußballverein zu verlassen oder aus einer Partei auszutreten, der man lange angehört hatte, so fällt der Abschied von einem ehemals geliebten Menschen schwer. Scheidung tut weh, und man möchte hinzufügen: das ist gut so. Jedenfalls ist es so in der menschlichen Natur eingerichtet.

 

Warum verzichten so viele Paare in einer Krise auf die Chance der Versöhnung? Es ist schwere Arbeit. Oft benötigten die beiden in ihrem Beziehungsstress die Hilfe eines Dritten, dem sie beide vertrauen. Ein Mediator hat als Versöhner die Aufgabe, beide zu veranlassen, eigene Verfehlungen auszusprechen. Nur so kann die Verantwortung dafür übernommen werden – um sicher zu stellen, dass sie sich nicht wiederholen. Das ist nämlich sehr wichtig und unverzichtbar. Seelischer Kummer kann wie jede Art von  Verlustschmerzen  wegtherapiert werden.

 

Die Verharmlosung von Fouls in Liebesbeziehungen und die sich oftmals anschließende Leichtfertigkeit, eine über Jahre bewährte Beziehung in die Luft zu sprengen, erzeugt viel menschliches Leid. Sicher kennen Sie das alte Karnevalslied: „Wir sind alle kleine Sünderlein…“Es ist ein schönes Lied über eine alte Wahrheit. Es sagt uns, dass wir Menschen in einer lächerlichen Rolle sind,  wenn wir moralisieren. Wir machen alle gelegentlich Fehler, und wir dürfen das niemals vergessen. Indem wir Fehler machen, werden wir immer wieder an die Wirklichkeit zurückgeführt. Deshalb hat jeder Mensch ein Recht auf Fehler, ohne dass man ihm gleich einen Strick drehen darf.  Das gilt natürlich in besonderer Weise auch für den anderen in der Beziehung, aber auch für uns selbst. Diese Einstellung ist deshalb so wichtig, weil sonst niemand in eine Beziehung hineingehen dürfte. Ohne eine solche Einstellung ist auch keine Versöhnung möglich. Wenn nur der andere irrt und Fehler macht, hat die unmenschliche Verteidigung der eigenen Irrtümer und Fehler begonnen. Dann hört jeder zwischenmenschliche Spaß auf.

 

Das heißt nicht, dass wir vermeidbare Fehler begehen sollen oder dürfen. Fehler müssen immer verantwortet werden. Vermeidbare Fehler sollten wir daher meiden wie der Teufel das Weihwasser. Absolut tabu ist es, Fehler des anderen gegen eigene Fehler aufzurechnen. Das Jus Talionis, das altbiblische Recht, Auge um Auge, Zahn um Zahn zu vergelten, hat in einer intimen Beziehung nichts, aber auch gar nichts zu suchen – auch nicht nach ihrem Scheitern. Sich aus Prinzip an das zu halten, worin man am Anfang der Beziehung leicht und spielerisch übereingestimmt hat, garantiert ihren Fortbestand am ehesten, wenn, ja,  wenn es gelingt, an die Stelle früherer gemeinsamer Ziele immer wieder andere zu setzen. Ein Paar braucht gemeinsame Ziele. Dann können die Wolken immer wieder rosa leuchten oder wenigstens kurz blitzen. Nähe mit einem vertrauten Menschen ist immer kostbar. Wir können intime Beziehungen nicht addieren. Zerbrechen sie, ist Freundschaft fast immer ausgeschlossen – wenn Liebe im Spiel war. Dann tritt oft Hass an ihre Stelle, und die vormalige Liebesbeziehung verläuft ähnlich wie Dantes Reise von der Hölle zum Himmel – nur rückwärts, also vom Himmel in die Hölle, über dessen Tor der italienische Dichter als Inschrift die Worte gesetzt hat: „Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet!“

 

Liebe macht selig, und sie ist gefährlich, vergessen Sie es nicht. Und beschäftigen Sie sich mit ihr, wenn Sie hier auf Erden glücklich und zufrieden leben wollen.

 

Der Autor ist ein gelernter Rechtsanwalt. Er arbeitet als Mediator in Berlin.  Er hat neben zahlreichen Informationsschriften und Essays zu gesellschaftlich relevanten Fragen den Beziehungsroman Spielkasino Liebe geschrieben. Das Buch behandelt das Thema Trennung oder Versöhnung aus dem inneren Erleben des Mannes.

von lauti
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Friday 22 february 5 22 /02 /Feb. 04:28

Schmerzens Kinder

 

Von Friedrich Lautemann

 

 

„Heute mit H. über die menschliche Roheit gesprochen. Er kommt eben von der Ostfront her und hat jenes Massaker erlebt, in dem man in K.30.000 Juden abschlachtete. An einem einzigen Tage, in einer knappen Stunde, und da die Maschinengewehrmunition nicht ausreichte, nahm man Flammenwerfer zu Hilfe, und aus der ganzen Stadt, um dieses Spektakel anzusehen, drängten sich dienstfreie Mannschaften hinzu; junge Burschen von neunzehn, zwanzig, mit

Milchgesichtern. O Schmach, o Leben ohne Ehre.“

 

Fritz von Reck-Malleczewen, Schriftsteller und bayrischer Monarchist

 

 

1.

 

Die Ursachenforschung zerstörerischer Handlungen hat dank der Erkenntnisse einzelner Psychoanalytiker und Schriftsteller wie Arno Gruen (Der Wahnsinn der Normalität) die immer wieder gleichen Programmierungen in der frühen Kindheit erhellt. Danach tendiert das männliche Bewusstsein dazu, Leid und Schmerz zu negieren. Sind aus den Kindern von einst Männer geworden, haben die nach innen gerichteten gefühlsbetonten (und oftmals als weiblich verunglimpften) Wahrnehmungen wie Mitgefühl und Trauer einen geringen oder keinen Stellenwert mehr. Die Helden von einst wie beispielsweise Friedrich der Große, Adolf Hitler und sein Generalfeldmarschall Friedrich Paulus haben Millionen von Menschen unter ihrer Befehlsgewalt in den Tod geschickt. Die Terroristen von heute, die das Töten zu ihrem Handwerk gemacht haben, sind aus denselben Gründen erbarmungslos: das Emotionale wird nicht mehr vermittelt.

 

Die „Schreckens Männer“, die Verursacher von Unheil und Leid der Menschheit im (quantitativ) Großen und im Kleinen, waren Opfer, die zu Tätern wurden. Angst, Terror, Verzweiflung und unerträgliche Hilflosigkeit hat sie einst gezwungen, den Druck wegzusperren, der ihnen ihr Kinderschicksal auferlegt und sie später posthum zu  „Helden“ gemacht hat.

 

 

2.

 

„Der Erbe Brandenburgs Friedrich Wilhelm (der Vater Friedrichs des Großen) ritt aus der Schlacht, ein Grübler. Sein anklagender Hass gegen den Bourbonen und den Habsburger wurde sehr groß... Der Königssohn trat seine

Pilgerfahrt an durch die Nacht des Todes, die Söhne des Landes zu suchen, dessen Fürst er einmal werden sollte. Aber hier blieb er schon bei einem Dänen stehen; dem bettete er den Kopf auf den Mantel, den er einem Toten ausgezogen hatte. Und dort befreite er einen ächzenden Portugiesen, der sich nicht vom Fleck bewegen konnte, von der Last des über ihn gestürzten Pferdeleichnams. Mehr vermochte er nicht zu helfen...Überall suchten Söldner mit flackernden Laternen das Feld ab, in Gebüschen, unter Kanonentrümmern, bei zersplitterten Bäumen. Überall stützten sie Sterbende, tränkten sie Verdurstende, verbanden sie Blutende; und als vermöchte es eine Linderung des Geschickes bedeuten, strichen sie den Toten über die Lider.

 

Als er einsah, dass es kein Helfen gab in dieser Nacht des Leidens, hockte er sich auf einen Baumstumpf und sah den Lichtern nach. Was der Morgen ihm enthüllen würde, machte ihn zur Nacht schon frösteln. Er wollte hin zu den Laternen. Er ging den Trägern nach. Vier Männer schleppten einen, voran schritt einer mit dem Stalllicht. Sie hatten ein Haus am Feldrand entdeckt. Die

Dörfer waren fern, und ihre geringe Zahl vermochte das Heer der Verblutenden nicht zu fassen.“

 

Jochen Klepper (1903 bis 1942), der große deutsche Romancier mit jüdischem Schicksal, beschreibt in seinem bewegenden historischen

Roman „Der Vater“ die Geschichte der Hohenzollern. Dazu gehört das Schicksal Friedrich Wilhelms, der Erstgeborene von Friedrich I. und das von Friedrich II. Dieser  war der als Dritter geborene Sohn. Kronprinz und König wurde Friedrich II., weil zwei vor ihm Geborene männlichen Geschlechts bei der Taufe starben. Das Taufschicksal des zweiten Kleinkindes des Kronprinzenpaares Sophie Dorothea und Friedrich Wilhelm schildert Jochen Klepper so:

 

„Wieder trug ein Sohn den Reichsapfel, das Ordensband, die Krone und das Zepter... Als sie den Knaben über das silberne Becken mit dem geweihten Jordanwasser hielten und die Krone emporhoben, das Haupt des hohen Kindes mit den Tropfen der heiligen Flut zu netzen, sah er (der Vater Friedrich Wilhelm) den blutenden Riss. Dort, wo der Rand der Krone sich in den bleichen Schläfen breit und dunkel abgezeichnet hatte, war das Wundmal eingegraben. Sie senkten die Krone auf das ungestillte Blut... Der Hof tat alles, die Wirren und Leiden dieser Stunden in weite Zukunft hin zu mehren... Ein Wort des Knaben Friedrich Wilhelm war wieder

im Umlauf: „Der Teufel hole mich! Wann ich werde groß werden, will ich sie alle miteinander aufhängen lassen und ihnen den Kopf abhauen!“

 

 

 

3.

 

Dass Menschen anderen Menschen das antun, was man ihnen angetan hat, gehört heute zum psychologischen Allgemeinwissen. Das Universum ist auch in diesem Sinn eine große Kopiermaschine. Moralische Gebote und Gesetze vermögen dagegen nichts. Wie der schwache König in Preußen (nicht König  von Preußen!)  Friedrich I. seinen eigensinnigen Sohn Friedrich Wilhelm quälte und herabsetzte, so misshandelte und demütigte letzterer seinen Sohn, als er Vater vom „Fritzchen“ war. Der vom Sohn bedingungs- und gnadenlos abverlangte Gehorsam führte 1730 zum Fluchtversuch Friedrichs mit seinem Freund, dem Leutnant Katte nach England, um sich den väterlichen Misshandlungen zu entziehen.   Friedrich Wilhelm ließ beide verhaften und sperrte sie in der Festung Küstrin ein. Der Vater zwang seinen Sohn, die Enthauptung seines Freundes anzusehen. Friedrich selbst kam mit dem Leben davon, weil er dem königlichen Geschlecht angehörte und sich dem Vater unterwarf. Er stellte seine Interessen für Philosophie und Kunst zurück und drillte Soldaten. Vater und Sohn versöhnten sich auf dem Sterbelager des Vaters. Doch die Regungen in ihrer beider Seelen waren zeitlebens Rache und Hass. Kaum war Friedrich 1740 gekrönt, eroberte er gegen jedes Recht Schlesien. Er, Machtpolitiker aus verdrängtem eigenem Leid und Familienschicksal, schickte schätzungsweise eine Million Menschen in den Tod. Kein Wunder, dass er von den Historikern später Friedrich der Große genannt wurde. Friedrich der Schmerzvolle oder Friedrich der Totschläger wäre eine bessere Charakterisierung des Kriegsherrn. Seine Gebietsroberungen waren wie die von Hitler nur von kurzer Dauer. Außerhalb des Schlachtfeldes spielte er Flöte und diskutierte mit seinem Freund-Feind Voltaire. Man kann annehmen, dass beide Männer sich so mochten wie Hitler und Speer.

 

 

3.

 

Der Machtwille und Trieb nach Status verlangen unbewusst und gesetzmäßig die Unterwerfung anderer: dies gilt sowohl für die Mächtigen ganz oben in den jeweiligen Hierarchien als auch für diejenigen, welche sich mit der Teilhabe an der Macht zufrieden geben müssen (aus welchen Gründen auch immer). Unterwerfung wird zu einem Zwang und zu einem Genuss. Am Tiefsten haben sie sich danach gesehnt, sich über ihre Mitmenschen zu stellen. Wir wissen, wie selten es ist, dass sich Menschen vor die Wahl, Liebe oder Macht gestellt, für die Liebe entscheiden. Der Thronverzicht aus Liebe ist, um ein Beispiel zu nennen, eine Rarität. Macht sucht sich seine Opfer; der Diktator genau so wie der nutzlose Bürokrat. Sie werden benötigt, um bestrafen zu können, unabhängig von Tat und Täter. Strafe als Selbstzweck erleichtert. Umberto Eco hat, wie die Bestrafung um ihrer selbst willen ein Eigenleben führt, in seinem Meisterwerk „Der Name der Rose“ geschildert. Der Ruf nach Bestrafung dreht sich (fast) nie um Gerechtigkeit. Es ist die uns anerzogene Wertlosigkeit, die zu diesem Trieb nach

Bestrafung führt (Arno Gruen).

 

Friedrich Paulus, Hitlers Generalfeldmarschall, der die in Stalingrad aufgeriebene 6. Armee bis zum bitteren Ende seinem Führer treu ergeben befehligte, war der vielleicht reaktionärste und konservativste unter Hitlers Generalen. Bedingungsloser Gehorsam und blinder Glaube an Adolf Hitler haben ihm die soldatische Karriere im „Tausendjährigen Dritten Reich“ geebnet und ihn so lange es ging an der Macht teilhaben lassen. Er handelte nicht mehr nach eigener Verantwortung, (und verzichtete auf den Versuch aus dem Kessel von Stalingrad auszubrechen) sondern  berief sich auf fehlerfreie Entscheidungen von oben. Er – ein Mann von edler bürgerlicher Denkweise, scharfem Intellekt und künstlerischen Neigungen beteiligte sich an dem deutschen Überfall der Sowjetunion und befahl, zu töten, bis er selbst in Stalingrad in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Um sich dem roten Diktator, dem Erzfeind von gestern, zu nähern, schlug er Stalin vor, eine „Deutsche Befreiungsarmee“ aus in russische Gefangenschaft geratenen deutschen Wehrmachtsangehörigen aufzustellen (Himmler hoffte in Deutschland aus sowjetischen

Kriegsgefangenen zehn Divisionen aufzustellen). Paulus hatte in Deutschland seine Frau und seine beiden Kinder und wollte so früh wie möglich nach Hause. Vor allem an Weihnachten vermisste er sie sehr. Über sein Leben im Objekt 20 W im Moskauer Vorort Planernoje mit einem Koch und einer Ordonnanz von zwei im Krieg ebenfalls in Gefangenschaft geratenen  deutschen Soldaten ist von ihm überliefert: „...Hier herrscht eine angenehme Atmosphäre. Nach unseren kameradschaftlichen Gesprächen sagten die russischen Generale zu mir: ‚Ihnen, Feldmarschall, vertrauen wir voll und ganz. Wirklich, sympathische Menschen’. Zu den unterschiedlichen Verpflegungssätzen sagte Paulus: „Die Russen handeln richtig, wenn sie die Verpflegungssätze für Generale, Offiziere und Soldaten unterschiedlich ansetzen. Soll etwa einem General und einem Soldaten das gleiche zustehen? Jeder erhält dienstgradmäßig, und das ist richtig.“ (Quelle: Leonid Reschin „Feldmarschall Friedrich Paulus im Kreuzverhör“)

 

Solcher Verrat wird mit dem Verrat an sich selbst in der frühen Kindheit eingeübt, um an der halluzinierten elterlichen Macht  teil zu haben. Von den unbeantwortet gebliebenen Briefen von Paulus an Stalin sei derjenige aus Anlass zu Stalins 70. Geburtstag zitiert:

 

 

 

„Herr Generalissimus!

 

Millionen friedliebender, fortschrittlicher Menschen aus aller Welt vereinen sich in diesen Tagen mit den Völkern der Sowjet-

Union, um Ihnen anlässlich Ihres 70. Geburtstages die Wünsche für Ihr Wohlergehen und für weitere Erfolge im großen Friedenswerk darzubringen. Gestatten Sie, dass auch wir, die wir einst im blinden Gehorsam als Feinde in Ihr Land einbrachen, heute Ihnen als dem großherzigen Freund des deutschen Volkes unsere aufrichtigen Glückwünsche aussprechen. Es war kein leichter Weg für uns von Stalingrad bis zu diesem Glückwunsch. Umso mehr können Sie versichert sein, dass auch wir nach Rückkehr in die Heimat alle unsere Kräfte einsetzen werden, um durch Festigung der deutsch-sowjetischen Freundschaft Ihr großes Menschheitsziel, den Frieden, fördern zu helfen.“

 

Die Rückkehr dauerte zehn Jahre und endete nach einem Treffen mit Walter Ulbricht und seiner Frau auf deren Datscha mit der Repatriierung des ehemaligen Feldmarschalls des deutschen Heeres in der DDR. Die beiden Männer verstanden sich prächtig. Sie wirkten, ein jeder an seiner Stelle, für die Völkerverständigung

und den Frieden, indem sie die Menschen im kleineren Bevölkerungsteil des gespaltenen Deutschland nach der nationalsozialistischen in sozialistischer Knechtschaft hielten.

von lauti
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